Full text : Wirtschaft als Leben

Nationalökonomische  Erläuterung,  V.

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vereinzelten  Handlungen  gegeneinander  im  Spiele  wähnt.  Dort  z.  B.,
wo  der  Tausch  fehlt,  wird  dann  einfach  der  „innere“  Tausch  in  das
Wirtschaftstreiben  hineingesehen,  usw.  Auf  der  anderen  Seite  ist  es
ganz  gut  verständlich,  wie  die  „klassische“  Schule  dazu  kam,  an  dem
Zaubertränklein  just  dieser  Auffassung  zu  brauen.  Ihr  drängte  sich  die
„erwerbswirtschaftliche“,  als  die  gerade  noch  im  Status  nascendi  befindliche ­
  Verfassung  damaligen  Wirtschaftslebens,  besonders  wuchtig
auf;  überdies  wußte  sie  die  gemeine  Erfahrung  in  der  Hauptsache  nur
mit  börsenmäßiger  Erfahrung  empirisch  zu  unterfüttern.
Wie  nachhaltig  die  „klassische“  Auffassungsweise  darin  wirkt,  das
theoretische  Denken  innerlich  hörig  zu  machen  der  „Erwerbswirtschaft“,
dafür  liefert  Karl  Marx  ein  Beispiel.  Seine  Kritik  heutiger  Wirtschaft
bewegt  sich  vornehmlich  im  Zuge  eines  Problems,  das  wie  kein  zweites
der  „klassischen“  Auffassung  spottet.  Schlechtweg  ein  Problem  ist  es
gar  nicht,  denn  es  hebt  gleich  eine  Fülle  bedeutsamer  Probleme  in  sich
auf,  Probleme  nämlich  aus  den  Grenzgebieten  der  Sozialwissenschaften
untereinander,  und  in  die  Ethik  hinein.  Diese  Probleme  leiden  keineswegs ­
  an  peripherischer  Verflachung;  denn  gerade  dort,  im  Grenzbereich,
wachsen  die  verschiedenen  Erkenntnisarten,  die  gegenüber  dem  menschlichen ­
  Zusammenleben  möglich  sind,  in  der  Bedeutung  ihrer  Probleme
förmlich  aneinander  empor,  gleichwie  Flammen  bei  ihrer  Berührung
auflodern.  Unter  jenen  Vorbehalten  aber  darf  man  es  immerhin  ein
nationalökonomisches  Problem  nennen  und  als  das  Scheitelproblem
unserer  Wissenschaft  erachten,  dieses  gewaltige  Problem  des  Wirtschaftsschicksals ­
  der  Menschen  und  ihrer  Gemeinschaften!  Marx  selber  rollt
das  Problem  ganz  einseitig  auf;  das  ist  seine  Sache.  Auch  so  aber
mußte  ihn  die  Wucht  dieses  Problems  hinausreißen  über  die  Denkweise ­
  herkömmlicher  Theorie.  Denn  in  der  „Güterlehre“  findet  dieses
Problem  keinen  Platz;  das  hieße,  den  Stier  in  die  Hühnersteige  sperren.
Rein  nur  die  quantitativen  Ausläufer  des  Problems,  Einkommensfragen
usw.,  zwängen  sich  dem  Gedankengang  dieser  Theorie  gerade  noch
ein,  als  „Lehre  von  der  Verteilung  der  Güter“.  Das  Problem  selber
atmet  allwirtschaftliche  Auffassung;  für  diese  spielt  eben  das  Menschenschicksal, ­
  soweit  es  von  der  Wirtschaft  her  bedingt  ist,  nicht  auch  nur
eine  lockere  Begleiterscheinung  der  Güterschicksale,  wie  in  der  „Güterlehre“. ­
  So  könnte  man  erwarten,  daß  der  Schwung  jenes  Problems
ganz  von  selber  auch  alle  die  geheimen  Fesseln  sprengt,  die  ganze
erwerbswirtschaftliche“  Vernagelung  des  Denkens  überwindet.  In
hundert  Gedankengängen  nebenher  ringt  sich  Karl  Marx  auch  frei
von  dieser  Beschränktheit  der  herkömmlichen  Theorie.  Im  Kern  jedoch,
gerade  vom  streng  theoretischen  Standpunkt  aus,  da  stellt  er  doch  nur
            
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