Soziologische Zusammenhänge.
ix.
In Max Webers hinterlassener Soziologie greifen zwei Teile ge
danklich aufs innigste ineinander. In dieser Hinsicht ganz und gar
eins, scheiden sich die beiden Teile trotzdem scharf in der Sache. Be
sonders vom zweiten Teile wird hier nur andeutungsweise zu reden
sein. Mit seinem Inhalt schlägt dieser zweite Teil, gleich früheren
Leistungen Max Webers, für meine Auffassung in die tiefste jener
drei „engeren“ Sozialwissenschaften ein, deren eine die Nationalökonomie
selber ist, die Nationalökonomie als die Wissenschaft vom „Ökonomisch-
Sozialen“. Vorläufig sind es natürlich leere Worte, wenn ich noch
weiter vorgreife und sage, wie daneben auch das „Politisch-Soziale ,
drittens noch das „Spezifisch-Soziale“ in Anschlag käme; und dieses
Dritte wäre nun der „Stoff“ jenes zweiten Teiles der ^Veb ersehen
Soziologie! Dagegen sei der erste Teil kurzerhand als „Systematische
Soziologie“ bezeichnet. Dieser Disziplin kommt für mein Gefühl
beispielsweise auch der „Abriß der Soziologie“, das Alterswerk Albert
Eberhard Schäffles, nahe; aber selbst Georg Simmels „Sozio
logie als Formenlehre“, und ferner wohl die „Beziehungslehre“, auch
nach den Ansichten Leopold v. Wieses.
An mehreren Stellen dieser „Systematischen Soziologie“, die ein
so gewaltiges Wissen verrät, und in der Zucht einer so seltenen Scharfe
im Denken, scheidet nun Max Weber seine eigene Behandlung der
Wirtschaft ganz ausdrücklich von „Wirtschaftstheorie“. Was er selber
treibt, setzt er ihr als „soziologische Theorie der Wirtschaft“ entgegen.
Danach wäre also „Wirtschaftstheorie“ an sich etwas Nicht-Sozio-
logischesl Da herum dreht sich nun alles.
Vorweg gesagt, soll nach und nach folgendes klar werden. Weder
die nationalökonomische Theorie der herkömmlichen, noch jene der
neuen Haltung besagt Soziologie im fachwissenschaftlichen Sinne. Mit
seiner Scheidung ist demnach Max Weber im vollen Recht. Aber
der entscheidende Gegensatz greift darin ein, daß die herkömmliche
40*