Full text : Wirtschaft als Leben

Soziologische  Zusammenhänge,  XII.

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als  „Analytische  Soziologie“!  Wie  ich  es  schlagwörtlich  schon  angedeutet, ­
  dreht  es  sich  um  die  Wissenschaft  vom  „Spezifisch-Sozialen“  ;
noch  weiter  vorgreifend  gesagt,  um  die  Wissenschaft  von  aller  Gestaltung ­
  menschlichen  Zusammenlebens  im  Geiste  dessen,  was  die
Menschen,  ob  nun  unmittelbar  oder  mittelbar,  innerlich  zusammenführt,
selber  also  auf  Zusammenhalt,  innere  Verbundenheit  hinausläuft.  Wie
nahe  sich  dies  mit  „innerem  Einverständnis“  und  „Gemeinschaft“  berührt, ­
  gemäß  der  tiefsinnigen  Deutung  von  Ferdinand  Tönnies,
leuchtet  grell  heraus.  In  der  Tat,  für  diese  dreifältige  Auflösung  der
„Sozialwissenschaft“,  die  ich  doch  früher  stets  unaufgelöst  zur  Geschichtswissenschaft ­
  in  Gegenhalt  brachte,  war  mir  schließlich  nichts
bestimmender  als  die  allmähliche  Einfühlung  in  die  so  ganz  besondere
Art,  wie  Ferdinand  T  ö  n  n  i  e  s  in  die  Tiefe  schürft.  Dazu  kam  noch
der  frappierende  Eindruck  von  Max  Webers  Vordringen  auf  Neuland ­
  sozialer  Erkenntnis.
Wenn  nun  die  „Analytische  Soziologie“  sozusagen  in  der  Richtung
der  „Gemeinschaft“  bohrt,  dann  bliebe  für  die  „zweite“  Sozialwissenschaft, ­
  neben  der  Nationalökonomie,  doch  wohl  die  Einstellung  auf
„Gesellschaft“,  im  Geiste  von  Tön  nies?  Ja,  so  ungefähr  liegt  es  bei
jener  Wissenschaft  vom  „Politisch-Sozialen“,  die  man  am  besten  an  der
Staatslehre  veranschaulichen  könnte,  ohne  daß  diese  schon  den  erschöpfenden ­
  Inhalt  dieser  Wissenschaft  darböte.  Und  vielleicht  gar
nicht  dieses  „Zweite“,  aber  ausgerechnet  jenes  „Dritte“  soll  nun  Soziologie ­
  heißen?  Gewiß;  da  waltet  einfach  der  Unterschied  zwischen  wortfromm ­
  buchstabierender  Deutung  —  „Sozio-logie“  gleich  „Gesellschaftslehre“ ­
  -  und  einer  Deutung  und  Nennung  gemäß  dem  wissenschaftlich
Ausschlaggebenden,  dem  Probleme  !  Denn  nachweislich  gerade  dort,  an
jener  „dritten“  Stelle,  läuft  alles,  alle  Wissenschaften  überhaupt  vom
menschlichen  Zusammenleben,  in  die  letzten  Tiefen  der  Erkenntnis
aus;  im  Einklang  dazu  ist  ja  auch  der  Ausdruck  vom  „Spezifisch-Sozialen“
  gewählt.  Dort  aber,  wo  alle  anderen  Disziplinen  ihr  gemeinsames ­
  Rückgrat  wissen,  dort  wohl  bewährt  sich  abermals  ihre  innere
Einheit;  dort  ist  mit  Fug  und  Recht  abermals  von  Soziologie  zu
sprechen.  Auch  in  diesen  harmloseren  Dingen  der  Benennung  braucht
man  nicht  immer  nach  der  Pfeife  des  Wortes  zu  tanzen  Auch  da  ist
es  besser,  lieber  auf  die  Worte  zu  pfeifen,  sobald  man  der  Sache  zureichend ­
  sicher  ist.  Mindestens  liegen  also  schon  zwei  Spielarten  von
„Soziologie  als  Fachwissenschaft“  vor,  sehr  ungleichen  Gefüges,
es  deren  noch  mehrere  gibt?  Vielleicht.  Hier  bin  ich  an  keiner  „Inventur ­
  der  Soziologien“  am  Werke;  ich  rolle  diesen  Zusammenhang  absichtlich ­
  nur  so  weit  auf,  als  es  die  nationalökonomische  Theorie  allwirt ­
            
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