Soziologische Zusammenhänge, XIV.
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sich doch um wissenschaftliche Auffassungen, und da müßte folglich
das Grundsätzliche der Sache auch schon das für die Sache tatsächlich
Entscheidende sein. Mein Bild der Sachlage weicht also nur so weit
von der Wirklichkeit ab, als in dieser selber, in der Theorie als „Güterlehre“,
abermals die „glücklichen Inkonsequenzen“ am Werke sind und
geschäftig, das Krumme unter der Hand wieder gerade zu biegen.
Zum Vergleich setze ich hierher eine Stelle aus dem „Grundriß“
von Schm oll er: „Der Grundgedanke unserer Volkswirtschaftslehre
ist der, daß das Wirtschaftsleben der Menschheit sich vollzieht in einer
Summe von politisch-gesellschaftlichen Körpern, die sich teils neben-,
teils nacheinander unserem Blicke darstellen.“ Selbst wenn ich zugebe,
daß man an Theorie ganz andere Ansprüche stellen muß, als ihnen
hier genügt wird, zugestanden also, es wäre dies erst auf dem Wege
zu eigentlicher Theorie: gut, aber dann würdige man zum mindesten
diesen Weg! Er verliert sich nicht seitwärts in die Öde einer bloßen
Mengenbewegung von Gütern, sondern führt mitten hinein in die Gestaltung
menschlichen Zusammenlebens. In dieser, wenn auch erst
werdenden Theorie, da regt sich eine ganz andere und lebensfrische
Auffassung. Es wird unverkennbar in Gebilden gedacht, in richtigen
Lebensformen, nicht in Gütern. Besonders deutlich verrät sich die Freiheit
des Denkens von dem Zufälligen heutiger Wirtschaft. Mithin, in
aller Naivität, zugleich aber mit dem Vollwert des bodenständig Aufgewachsenen,
tritt uns hier allwirtschaftliche Auffassung entgegen 1
Nicht aber jene krämerhaft güterselige und erwerbsduselige Auffassung
der „Güterlehre“, die unser fachliches Denken so weit abführt
von seinem wahren Vorwurf, daß man sie fast eine widerwirtschaftliche
heißen könnte.
Trotzdem wird diese „Güterlehre“ heute noch mit solcher Gewißheit
als die abgestempelt „nationalökonomische“ Theorie empfunden,
daß ich auf den Einwand gefaßt bleibe: Sch mol ler spricht hier eben
als Soziologe, und es ist helles Unrecht, legt man seine Haltung als
Maßstab an die nationalökonomische Theorie 1 Warum als „Soziologe“ ?
Vielleicht gar, weil er von politisch-„gesellschaftlichen“ Körpern redet?
Das wäre ja ein völliger Rückfall in die wortfromm buchstabierende
Deutung des Sachverhaltes. Was sich tatsächlich als „soziologisch“
hier an Schm oller bekundet, ist bloß die richtige Art, wie er ein
Nationalökonom zu sein strebt: Einfach um Nationalökonomie richtig
zu betreiben, hält er es mit der soziologischen Methode 1 Das will
sagen, seiner Wissenschaft sucht er völlig gerecht zu werden, ausdrücklich
auch insoweit, als sie ihre Mission im Kreise der Wissenschaften
vom menschlichen Zusammenleben zu erfüllen hat. Alles, was er in
v. Gottl-Ottlilienfeld, Wirtschaft als Leben. ^