Full text : Wirtschaft als Leben

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.Freiheit  vom  Worte“,

Sinn  der  sonst  ganz  widersinnigen  Formel  zu  gehen,  daß  sich  Theorie
und  Empirie  in  unserer  Wissenschaft  zueinander  verhielten  wie  „Deduktion“ ­
  und  „Induktion“.  Man  läßt  ja  bekanntlich  dem  Methodenstreit ­
  Menger-Schmoller  als  communis  opinio  die  erheiternde
Kunde  nachlaufen,  es  hätte  sich  bei  ihm  um  den  Kampf  zwischen
„Deduktion“  und  „Induktion“  gedreht.  Nun,  gedreht  hat  es  sich  dabei
um  sehr  vieles,  nur  sicherlich  nicht  um  dieses,  obgleich  die  Worte
„Deduktion“  und  „Induktion“  hin-  und  herflogen.  Im  Kern  aber
prallten  einfach  die  beiden  Grundauffassungen  zusammen  1  Zwar  blieben
sie  beide  unter  der  Schwelle  des  Bewußtseins;  dafür  ging  auch  der
ganze  Streit  aus  wie  das  Hornberger  Schießen.  Den  besonders  Klugen
hat  dieser  Ausgang  die  salomonische  Entscheidung  eingegeben,  „Deduktion“ ­
  und  „Induktion“  seien  eben  gleichen  Rechtes,  gleichberechtigt
in  der  Wissenschaft  daher  auch  Theorie  und  Empirie!  Ein  Spruch
von  erlösender  Kraft.  Immerhin  bringt  er  das  Kunststück  zuwege,
einen  brüllenden  Gemeinplatz  schlüssig  aus  zweierlei  Widersinn  herzuleiten: ­
  daß  einerseits  unsere  Theorie  in  „Deduktion“,  andererseits
unsere  Empirie  in  „Induktion“  aufgehe.
„Deduktiv“  verfahre  unsere  heutige  Theorie,  weil  da  angeblich  alles
aus  dem  einen  Obersatz  abgeleitet  sei,  daß  „jeder  seinem  Vorteil  nachgehe“. ­
  Aber  davor  muß  man  die  arme  „Güterlehre“  doch  in  Schutz
nehmen.  Es  steckt  beträchtlich  mehr  in  ihr,  als  von  dorther  „deduktiv“
herauskäme,  nämlich  nichts!  Doch  wäre  es  schließlich  eher  noch  zu
verzeihen,  daß  man  den  Obersatz  einer  „Deduktion“  in  dem  sieht,  was
gar  nichts  anderes  ist  als  eine  der  vornehmsten  Unterstellungen  für
eine  Konstruktion,  für  jene  nämlich  in  Sachen  der  gewissen  „unfreien
Nachdichtung“.  Zwar  gehört  dann  zur  „Ableitung“  der  „Güterlehre“
außerdem  die  Kleinigkeit  der  Gemeinen  Erfahrung,  und  die  hat  als
Ganzes  wirklich  nicht  viel  von  einem  ferneren  „Zubehör  einer  Deduktion“;
aber  das  scheint  in  methodologischen  Fragen  unserer  Wissenschaft  eine
zu  vernachlässigende  Größe  zu  sein.  So  verzeihlich  also  jene  kleine
Verwechselung,  unverzeihlich  in  jedem  Betracht  bleibt  die  Deutung
unserer  Empirie  als  „Induktion“.  Es  macht  doch  nicht  einfach  nur
der  Ausgang  überhaupt  von  Tatsachen  die  „Induktion“  aus  1  „Induktion"
ist  immer  schon  eine  ganz  bestimmte  Behandlung  von  Tatsachen.
Wann  allein  aber  wäre  eine  solche  Behandlung  von  Tatsachen  so  ohne
weiteres  am  Platz,  wie  man  es  hier  anzunehmen  scheint?  Offenbar
doch  nur,  wenn  sich  aus  Tatsachen  überhaupt  nichts  anderes  machen
ließe,  als  von  ihnen  zu  „allgemeinen  Sätzen  aufzusteigen“.  Das  trifft
nun  absolut  nicht  zu.
            
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