Full text: Wirtschaft als Leben

Methodologische Glossen, XIX. 
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Es hat dieser „Aufstieg“ ja Sinn, solange man sich in den Niede 
rungen an sich zusammenhangloser Erscheinungsreihen bewegt, wozu 
alle Naturwissenschaft bei ihrer Tatsachenfeststellung verdammt bleibt, 
gemäß der ihr eigenen Art Erfahrung: sobald nämlich die erlebte 
Wirklichkeit, ihres anschaulich erlebten Zusammenhanges entkleidet, 
nur als anschauliche Mannigfaltigkeit vorliegt, als sinnloses Sein. Mehr 
sieht dann für unser zusammenhanglüsternes Denken einmal nicht her 
aus. Hier muß man sich letzten Endes schlechterdings mit dem 
minderwertigen Erkenntnismittel des „Gesetzes“ begnügen, mit diesem 
Zusammenhangssurrogat, das zwar hinterher der Technik für ihren Be 
darf alles bietet, aber dem Streben nach tieferer Erkenntnis fast eben 
soviel schuldig bleibt, solange man nicht Metaphysik zu Hilfe ruft. 
Ganz anders aber dort, wo der anschaulich erlebte Zusammenhang, 
wie bei uns, schon in den Tatsachen steckt, weil diese von Erlebungen 
abgehoben sind, als „Fakten“, nicht als „Daten“, so daß also jeder 
Tatbestand eitel Zusammenhang in sich birgt, den man nur zu er 
schließen braucht, und darüber hinaus sogar im großen, einheitlichen 
Zuge aufzurollen vermag. Und trotzdem nun ausgerechnet der Ver 
allgemeinerung, dem „Gesetz“, das letzte Wort der Erkenntnis zu 
zuschieben, so daß auch wir nichts Höheres als „Gesetze“ finden, nichts 
Besseres als „Gesetze“ suchen könnten, das kommt — um ein kräftiges 
Bild der Brutalität und Stupidität zugleich des unseren Wissenschaften 
damit zugesonnenen Vorgehens zu liefern — der Forderung gleich, 
Austern mit der Mistgabel zu essen! 
Ins Wespennest ist gestochen; aber vertieft und richtig ausgetragen 
braucht die Sache hier nicht zu werden. Es ist auch so klar, wo 
jenes despektierliche Gerede von „Deduktion“ und „Induktion“ eigent 
lich hinaus will: man täuscht sich damit wenigstens den Schein eines 
inneren Zusammenhangs in der heutigen Nationalökonomie vorl Un 
willkürlich sieht man unsere Empirie dort „induktiv“ hinaufklettern, 
wo unsere Theorie heutigen Schlages „deduktiv“ herabklettert, eben 
a uf der Laubfroschleiter der Verallgemeinerung bis zu den Gesetzen. 
Und je oberflächlicher dies alles gedacht sein will, bevor es jene be 
ruhigende Täuschung wirklich hervorruft, um so besser stimmt es ja 
in das ganze Bild dieser landläufigen — „Methodologie 1 
Mit dieser Vorstellung von einer „deduktiven Artung unserer 
Theorie hat es trotzdem sein ganz Besonderes. An sich gehorcht ja 
diese Vorstellung sklavisch dem Schema F des naturwissenschaftlichen 
Erkennens. Die naive Theorie, von jenem kleinlichen Ehrgeiz tech 
nischer Verwertbarkeit besessen, weiß nun einmal nicht anders über 
sich selber zu denken. Merkwürdig aber, zu dieser lächerlichen Vor- 
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