Ausklänge, XXIII.
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Problem, unter dessen Gesichtswinkel über das Zusammenleben ge
dacht wird.
Zunächst ist es Ein großes Problem, das so recht vom Grund aus
das Zusammenleben zu bewältigen erlaubt: das Problem der gestal
tungsmäßig verbürgten Dauer; Dauer im Sinne des innerlich erarbei
teten Bestandes der Gebilde, bei richtiger Einpassung in die Umwelt,
im Sinne also der gesicherten Wiederkehr des erlebten Geschehens.
Das ist jenes Problem der Andauer, das sich mit dem empirischen
Grundgedanken alles Lebens überhaupt berührt — soweit eben das
Leben dem begrifflichen Denken noch zugänglich bleibt. Aber dieses
Problem spaltet sich notwendig auf und begründet so durch die Drei
zahl der Grundprobleme das mehrerwähnte Dreierlei der „engeren
Sozialwissenschaften“. Stellt man beispielsweise den Blick auf das
Spiel ein zwischen Bedarf und Deckung, dann hebt sich aus dem
„Realobjekt“, das ist allemal das menschliche Zusammenleben, der
Tatbestand des Wirtschaftslebens heraus, als das gesonderte „Erkenntnis
objekt“ unserer Wissenschaft. Nationalökonomisch denken heißt, das
menschliche Zusammenleben einseitig zu erfassen als Gestaltung im
Geiste dauernden Einklangs zwischen Bedarf und Deckung, um so
auch in dieser Weise gestaltungsmäßig verbürgte Dauer, Leben zu
sehen; in diesem Falle Wirtschaft als Leben. Und in dieser Ein
seitigkeit des Denkens prägt sich jenes fundamentale Problem aus,
von dem alle übrigen nationalökonomischen Probleme letzten Endes
ausgehen.
Mit so verzweifelt weiten Vorgriffen, in Gestalt loser Andeutungen,
ist natürlich der Klarheit wenig gedient. Da hilft auch die fernere An
deutung nicht viel, daß jenes Dreierlei des Gestaltung suchenden Denkens
— eingestellt bald auf den Einklang zwischen Bedarf und Deckung,
bald auf den Einklang zwischen Zwang und Freiheit, bald auf den
inneren Zusammenhalt zu Gemeinschaft auch empirisch überein
stimme mit drei großen Willensrichtungen des Lebens, deren unge
fährer Zug sich recht ungenau in den drei Schlagworten malt. Not,
Macht, Liebe. Vielleicht aber schwindet wenigstens das Mißtrauen, als
ob das Ganze doch nur eine umschreibende Deutung von Worten
wäre. Für einen so geschlossenen Gedankengang könnte die Klügelei
aus dem Worte heraus ohnehin nichts fruchten. Aber selbst wenn
alles unklar geblieben wäre, so viel sieht man mindestens doch ab,
daß der angedeutete Gedankengang weit über die Fachwissenschaft
hinausdrängt, dem Punkte zu, wo sich abermals alle Fachwissenschaften
vom Zusammenleben in ihrer inneren Einheit bewähren I