Full text: Wirtschaft als Leben

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Vom Wirtschaftsleben und seiner Theorie", 
schaftliche Bekenntnis aus, das ich hier ablege. Freilich rennt diese 
Forderung einigermaßen offene Türen ein, soweit es auf die Denkweise 
der empirischen Teile unserer Wissenschaft, auf die Tatsachenforschung 
über Gegenwart und Vergangenheit der Wirtschaft ankommt. So spitzt 
sich jene Forderung dahin zu, diese hie und da schon praktisch geübte 
Denkweise gleichsam über die Schwelle des theoretischen Bewußtseins 
emporzuheben. 
Unschätzbare Vorarbeit dafür hat schon Karl Knies mit seinem 
Hauptwerk geleistet, aber er ließ den Faden später fallen. Als nun 
einer seiner letzten Schüler — das bin ich gewesen — diesen Faden 
wieder aufnahm, geschah es vorerst in jugendlichem Ungestüm, ganz 
ohne Rücksicht auf die Form der Darstellung, damals wohl auch noch 
unzeitgemäß — wirkungslos! Heute, nach fünfundzwanzig Jahren, ist 
dieses Beginnen vielleicht doch schon zeitgemäßer geworden. 
In dieses Neuland nun, der Einstellung auf Wirtschaft als Leben, 
sollen vier Schritte führen. Zuerst erläutere ich das leistungstheore 
tische Denken, hierauf das lebenstheoretische Denken und spreche 
dann über dessen Zusammenhang mit der Nationalökonomie; den Ab 
schluß macht ein Vorblick auf die Theorie dieser neuen Haltung. 1 ) 
*) Das hier Folgende wiederholt in einiger Abwandlung vieles, was ich bereits vor 
zwei Jahren in meiner programmatischen Schrift „Freiheit vom Worte“ (München 
u. Leipzig 1923) ausgeführt habe. Dort war es jedoch auf den Nachweis gemünzt, daß 
sich die Theorie der neuen Haltung, als „Allwirtschaftslehre“ gemeint, streng scheidet 
von jeder denkbaren Art Soziologie, z. B. auch nicht verwechselt werden darf mit der 
„Soziologie der Wirtschaft“ im Geiste Max Webers. Darum auch der Untertitel jener 
Schrift: „Über das Verhältnis einer Allwirtschaftslehre zur Soziologie“; leider ist dieser 
unentbehrliche Untertitel bei der gleichzeitigen Herausgabe der Schrift im Rahmen der 
„Erinnerungsgabe für Max Weber“ in Verlust geraten. Seither kam ein Buch von mir 
heraus: „Die Wirtschaftliche Dimension. Eine Abrechnung mit der sterbenden 
Wertlehre“ (Jena 1923), das zwar in der Polemik gegen die herkömmliche Theorie seinen 
Schwerpunkt findet, dabei aber durch seinen „positiven" Inhalt doch auch zum Verständnis 
der neuen Lehre mancherlei erbringt. Eine Art Kostprobe davon bietet mittelbar auch 
der Aufsatz: „Arbeit als Tatbestand des Wirtschaftslebens“ (im „Archiv für Sozialwissen 
schaft und Sozialpolitik“. Tübingen. 50. Bd. [1922/23], S. 289 ff.). 
Doch selbst meine Veröffentlichungen auf dem Spezialgebiete der Beziehungen 
zwischen Wirtschaft und Technik entbehren nicht der Anklänge daran. Schon für die 
Schrift gilt dies: „Der wirtschaftliche Charakter der technischen Arbeit“ 
(Berlin 1910); mehr noch für die umfassende Untersuchung „Wirtsch aft und Technik“ 
(in 2. Auflage erschienen als selbständiger Band II, 2 vom „Grundriß der Sozialökonomik“, 
Tübingen 1923). Vereinzeltes davon findet sich auch in meinen jüngsten Publikationen: 
„Fordismusf“ (Heft 10 der „Kieler Vorträge, gehalten im Wissenschaftlichen Klub des 
Instituts für Weltwirtschaft und Seeverkehr an der Universität Kiel“), wovon eine Neu 
auflage bei Gustav Fischer, Jena, soeben erscheint; und der Vortrag „Technischer Fort 
schritt und Wirtschaftsleben" (im „Hamburger Übersee-Jahrbuch 1924“, S. 247 fr.).
	        
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