Full text : Wirtschaft als Leben

Abschnitt  II.

699

erscheint,  als  Denkfaulenzer.  Um  soviel  bequemer  vermag  man  dann
auch  umfassendere,  verwickeltere  Zusammenhänge  zu  entwirren.  Und
so  ist  es  mit  allen  diesen  „Naturgesetzen  der  Wirtschaft“.  Was  an
Zusammenhang  mit  ihnen  aufgegriffen  wird,  erweist  sich  allerdings  als
ein  zwingender  und  muß  vom  praktischen  Leben  gewaltig  respektiert
werden;  zwingend  aber  ist  dies  kraft  des  Zwangs  der  Vernunft  im
Handeln  I  Eben  darum  ist  dieser  Zusammenhang  ganz  und  gar  durchschaubar, ­
  und  ihn  zu  durchschauen,  das  besorgt  allemal  schon  die
Praxis;  Wissenschaft  hinkt  da  nur  hinterher,  auch  wenn  sie  sich  noch
soviel  zugute  tut  auf  diese  „Gesetze“.  Hier  enthüllt  sich  der  schroffe
Gegensatz  zu  jener  blinden  Notwendigkeit,  die  mit  dem  echten  Naturgesetz ­
  erfaßt  wird  und  als  dieses  erarbeitet  ist,  im  Sinne  einer  höchsten
Leistung  der  Erkenntnis.  Das  Fallgesetz,  als  Beispiel  dafür,  gilt  nach
der  Formel:  warum  —  darum.  Ein  Denken  über  diesen  Zusammenhang, ­
  wie  ihn  das  Gesetz  in  mathematischer  Zuschärfung  darlegt,  versagt ­
  sich  gänzlich;  man  muß  ihn  blindlings  hinnehmen,  kann  überhaupt ­
  erst  mit  seiner  Hilfe  tiefer  denken.  Das  naturwissenschaftliche
Gesetz  ist  einfach  das  Erkenntnismitte],  um  selbst  über  ein  an  sich
Zusammenhangloses  nach  dem  Satz  vom  zureichenden  Grunde  denken,
das  will  sagen,  Zusammenhang  bejahen  zu  können.  Darum  ist  das
Suchen  nach  Gesetzen  ein  Erkenntnisziel  wohl  in  der  Naturwissenschaft, ­
  die  vor  der  unendlichen  Mannigfaltigkeit  der  Erscheinungen
steht,  der  nur  zeitlich-räumlich  geordneten,  an  sich  zusammenhanglosen
Erscheinungen.  Ist  doch  das  erfahrende  Denken  der  Naturwissenschaft
soweithin  ein  künstliches,  als  es  ein  vom  selber  erlebten  Zusammenhang ­
  aller  Erlebnisse  abstrahierendes  Denken  ist.  Bei  uns  aber  strotzt
schon  alles  Erfahrene  von  Zusammenhang,  jede  einzelne  Tatsache  tut
es  so,  als  „Faktum“,  im  Gegensatz  zu  den  naturwissenschaftlichen  Tatsachen, ­
  den  bloßen  „Daten“.  Denn  unser  erfahrendes  Denken  greift
die  empirische  Wirklichkeit,  das  anschaulich  Erlebte,  gleich  beim  selber
erlebten  Zusammenhang  auf:  bei  jenem  Zusammenhang  nämlich,  der
sich  in  der  einfachsten  Form  dem  Wollen  entlang,  über  das  Können
hinweg,  zur  Erfüllung  hin  flicht;  wofür  das  gewöhnliche  Leben  einfach
die  Aussageform  verwendet,  das  oder  jenes  sei  unter  den  und  den
Umständen  „gewollt“,  darum  geschieht  es  so  und  nicht  anders.  Die
landläufig  theoretische  Aussageform  für  diesen  ganzen  Sachverhalt  aber
lautet,  wir  hätten  es  in  unseren  Wissenschaften  mit  „sinnvollen“  Vorgängen ­
  zu  tun,  mit  einem  dem  „Verstehen“  zugänglichen  Geschehen.
Und  so  watet  auch  die  Nationalökonomie  förmlich  in  Zusammenhang,
darum  ihre  sog.  „Gesetze“  nur  vom  Range  bloßer  Denkbehelfe  sin  .
Nationalökonomische  Theorie  aber  ausdrücklich  auf  jenes  Zusammen ­
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.