Full text : Wirtschaft als Leben

Abschnitt  II.

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der  Wirtschaft“,  erarbeitet  aber  mehr  nur  auf  einem  Schleichwege!  Das
leistungstheoretische  Denken  dieser  Systeme  setzt  es  doch  nur  fort,
wie  vorher  schon  der  Alltag  leistungstheoretisch  denkt.  Hier  fährt
also  wissenschaftliches  Denken  im  Schlepptau  des  vorwissenschaftlichen.
Dieses  naivste  Denken  entscheidet  bereits  über  die  grundlegende  Einstellung ­
  auf  den  Vorwurf  der  Erkenntnis.  Denn  schon  jene  Worte,  mit
deren  Hilfe  der  Alltag  über  sich  selber  zu  sprechen  pflegt  —  „Wirtschaft“, ­
  „Bedürfnis“,  „Gut“,  „Wert“,  „Preis“,  „Vermögen“,  „Kapital“,
„Zins“,  „Rente“  usw.  —  diese  Worte  sieht  man  vorweg  als  die  „Grundbegriffe ­
  der  Nationalökonomie“  an  und  behandelt  sie  auch  danach.
Doch  zu  welcher  Absurdität  führt  dies  ?  Es  mag  sich  die  Theorie  ihre
weiteren  Fragestellungen  auch  noch  so  gewissenhaft  zurechtdenken,
just  für  den  Teil  ihrer  grundlegendsten  Probleme  bleibt  sie  ein  für  allemal ­
  auf  dem  Alltagsdenken  sitzen  —  und  weiß  es  gar  nicht,  das  ist
das  schönste!  Damit  ergeben  sich  dann  die  gewissen  einwörtlichen
Probleme:  „Was  ist  Wirtschaft?“,  „was  ist  Wert?“,  „was  ist  Kapital?“
usw.  Darauf  beruht  ja  die  Herrschaft  des  Wortes  in  unserer  Theorie:
Es  baut  sich  nämlich  diese  Theorie  zutiefst  auf  einer  wortgebundenen
Problematik  auf,  bloße  Worte  vertreten  die  letzten  Probleme,  statt  daß
man  auch  diese  noch  von  einem  Grundproblem  her  bewußt  zu  entwickeln ­
  verstünde.  Und  diese  zugleich  blinde  und  starre,  unlebendige
Problematik,  sie  liegt  auch  durchaus  in  der  Ebene  der  vorwissenschaftlichen ­
  Problematik,  der  Alltagsproblematik.
Falsch  ist  auch  dies  nicht,  als  Anfang  war  es  sogar  schier  notwendig. ­
  Denn  irgendwie,  irgendwo  will  doch  angefangen  sein;  und
hier  blieb  wirklich  nichts  übrig,  als  sich  vom  Alltag  her  in  die  Wissenschaft ­
  hineinzuplaudern.  Dem  Alltag  ist  ja  tatsächlich  schon  alles  mehr
oder  minder  bekannt,  was  unsere  Wissenschaft  geistig  zu  bewältigen
hat.  Sucht  man  nun  bloß  über  die  gewissen  „Grundbegriffe“  hinweg
tiefer  in  alle  Zusammenhänge  einzudringen,  so  erzielt  man  doch  einfach ­
  nur  eine  intimere  Bekanntschaft  mit  dem  an  sich  Bekannten.  Und
dabei  bleibt  es  auch;  denn  an  der  Richtschnur  dieser  Worte,  daran
hängt  die  Theorie  von  heute  so  hoffnungslos,  wie  der  Maikäfer  am
Faden  des  bösen  Jungen.  Wissenschaft  aber  heißt  in  diesem  Palle
doch  Erkenntnis  des  Bekannten;  das  will  sagen,  bewußte  und  entschiedene ­
  Abkehr  von  der  Naivität  des  Alltagsdenkens,  Durchstoß
nach  einer  tieferen,  einer  lebensnäheren  Ebene  der  Problematik.  Und
nichts  anderes  macht  die  geforderte  Wende  aus,  von  der  Einstellung
auf  Wirtschaft  als  Leistung  zu  jener  auf  Wirtschaft  als  Leben.
            
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