Full text : Wirtschaft als Leben

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Abschnitt  III.

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gleichsam  die  Aversseite  der  Medaille  „Wirklichkeit“;  oder  sachlicher
gesprochen:  zwei  grundverschiedene  Wege  der  Erfahrung  führen  in  die
immer  Eine  und  ungeteilte  Wirklichkeit  des  anschaulich  Erlebten!
Darüber  noch  hinaus  braucht  die  erkenntniskritische  Untergründung
einer  Fachwissenschaft,  im  Geiste  ihrer  Selbstbesinnung,  nicht  mehr
zu  gehen.
Aber  was  ist  denn  Leben  ?  Da  flüchtet  die  Antwort  wohl  ins  Reich
der  Gleichnisse.  Bilder  drängen  sich  auf,  von  einem  Strom,  der  seine
eigenen  Quellen  speist,  oder  von  einem  Ruhenden  inmitten  aller
Wandlungen  Unrast.  Damit  ist  einer  Fachwissenschaft  nun  gar  nicht
gedient.  Gleichgültig,  was  Leben  „ist“,  will  sie  bloß  wissen,  ob  und  wie
denn  selbst  ihr  systematisch  begriffliches  Denken  noch  heranfindet  an
das  Leben.  Und  da  besinnt  man  sich  einfach  auf  den  empirischen
Grundgedanken  alles  Lebens:  dort  ist  Leben,  wo  sich  Einheit,  Wirken
und  Dauer  zusammenfinden.  Wirken  und  Dauer  verschränken  sich  so
zur  Einheit,  daß  die  Dauer  ebenso  das  Wirken  trägt  wie  dieses  die
Dauer.  Dort  also  ist  ein  Lebendes,  wo  eine  wirkende  Einheit  ihr  Dasein
selbsttätig  behauptet,  als  wirkende  Einheit  von  gleichsam  innerlich
erarbeitetem  Bestand.  So  ist  es  beim  Lebewesen,  beim  biologischen
Organismus,  besser  gesagt,  nur  bei  solcher  Auffassung  wird  man  dieser
Verwicklung  zur  Not  noch  Herr.  Die  gleiche  Auffassung  widerstreitet
auch  nicht  dem  persönlichen  Leben,  soweit  in  dessen  Tiefe  begriffliches ­
  Denken  hinabreicht.  Erschöpfend  aber  malen  sich  in  dieser
Auffassung  jene  Lebenswirklichkeiten  der  Schicksalswelt,  die  als  ihre
„Gebilde“  später  zu  beleuchten  sind.
Der  engere  Grundgedanke  alles  Lebens  aber  ist  eben  doch  die
Dauer!  Nicht  jene  stumpfe  Dauer,  wie  etwa  beim  Stein  am  Wege,
der  liegen  bleibt,  solange  ihn  niemand  wegstößt,  und  ganz  bleibt,  solange ­
  ihn  nichts  zertrümmert.  Sondern  eben  eine  tätige  und  auch  tätig
ertrotzte  Dauer;  eine  Dauer,  so  innig  verflochten  mit  Wirken,  daß  sie
eine  zugleich  erwirkte  und  eine  Dauer  des  W  irkens  darstellt.  Trifft
solche  Dauer  irgendwo  zu,  trifft  Leben  zu.  Diese  lebenbedeutende
Dauer  sei  kurz  als  Andauer  bezeichnet.
Aber  wir  retten  uns  lieber  auf  ein  einfachstes,  nüchternstes  Beispiel:
  eine  moderne  Erwerbsunternehmung,  also  je  nach  Wahl  eine
Bank  oder  ein  Handelshaus,  eine  Fabrik,  eine  Reederei  oder  ähnliches. ­
  Das  Streben  nach  Ertrag  hat  man  die  Seele  des  Unternehmens
genannt.  Tatsächlich  spielt  es  hier  die  idealtypisch  gesehene  „Dominante“, ­
  aussagbar  als  der  dieses  Gebilde  tragende  „Wille  zum  Erwerb“.
Nu r  darf  man  dieses  Streben  nicht  einfach  als  eine  Zielsetzung  auffessen,
  um  daraufhin  in  der  Unternehmung  nur  die  einschlägige

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