Full text : Wirtschaft als Leben

Abschnitt  IV.

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Not  und  wieder  Not  aus  Streit  zu  entladen,  alle  Dauer  bedrohend
lebenhemmend.  Der  Gestaltung  aber  läßt  sich  unmöglich  zumuten
daß  sie  schlechthin  einem  Höchsten  an  Bedarfsdeckung  nachstrebe
weil  der  Bedarf  schließlich  immer  wieder  die  Deckung  überwuchert.
Die  Formel  vom  dauernden  Einklang  zwischen  ihnen  geht  nun  ebensowohl ­
  auf  höchsten  Auftrieb  der  Deckung  wie  auf  jene  Bändigung
des  Bedarfs,  bei  der  das  erstere  noch  erstrebbar  bleibt.
Damit  liegt  das  nationalökonomische  Grundproblem  in  seiner
ganzen  Schlichtheit  offen:  Man  denkt  nationalökonomisch  in  lebenstheoretischem ­
  Stile,  sobald  man  an  die  Schicksalswelt  letzten  Endes
die  Frage  richtet,  wie  gestaltet  sich  menschliches  Zusammenleben ­
  im  Geiste  dauernden  Einklangs  von
Bedarf  und  Deckung?  Letzten  Endes,  das  heißt,  die  jeweilige
Fragestellung  muß  immer  wieder  aus  jenem  Grundproblem  hergeleitet
sein,  im  Wege  der  Filiation  der  Probleme.  Es  läßt  sich  aber  dieses
Grundproblem  zu  einer  definitionsähnlichen  Formel  umstülpen:  Wirtschaft, ­
  als  Leben,  ist  Gestaltung  menschlichen  Zusammenlebens  im
Geiste  dauernden  Einklangs  von  Bedarf  und  Deckung.  Das  ist  nichts
anderes  als  die  kürzeste,  jedoch  das  Wesen  und  nicht  bloße  „Merkmale“ ­
  erfassende  Aussage  über  jenen  Tatbestand,  der  den  engeren
Vorwurf  unserer  Wissenschaft  bedeutet,  wenn  man  will,  also  ihr
»Erkenntnisobjekt“.  Nicht  herausgeschnitten,  sondern  auch  nur  herausgesehen, ­
  im  Gesichtswinkel  des  Grundproblems,  ist  dieser  Tatbestand;
unmittelbar  aus  dem  Zusammenleben,  mittelbar  aus  der  Schicksalswelt,
in  letzter  Linie  aus  der  empirischen  Wirklichkeit,  so  zwar,  daß  auch
noch  in  diesem  Tatbestand,  nur  eben  einseitig  erschaut,  die  ganze
Wirklichkeit  steckt,  auch  wieder  mit  Sonne,  Mond  und  Sternen  —
oder  wäre  etwa  die  licht-  und  wärmespendende  Sonne  nicht  höchsten
Belangs  für  allen  wirtschaftlichen  Zusammenhang?  Freilich  nicht  als
Planetenzentrum  im  Gefüge  eines  naturwissenschaftlichen  Weltbildes,
sondern  als  das  Sinnvolle  einer  gewaltigsten  Determinante  des  erlebten
Geschehens.  Jenem  Tatbestand  nun,  weil  er  erfüllt  ist  vom  Spiel
zwischen  Bedarf  und  Deckung,  kann  man  aus  Zwang  der  Sprache  richtig
nur  den  Namen  des  „Wirtschaftslebens“  zuteilen,  womit  er  in  lässiger
Kürze  als  „Wirtschaft“  nennbar  erscheint.  So  kommt  der  Anschein
heraus,  als  ob  nur  eine  Definition  des  „Grundbegriffes  Wirtschaft“
vorläge.  Allein,  hier  ist  eben  nicht  das  Theorem  zum  vorgegebenen
Wort  gekommen,  nicht  also  dem  Wort  definitorisch  entquetscht
Worden,  weder  offen  noch  verhohlen;  sondern  umgekehrt,  dem  erkenntniskritisch
  und  problembewußt  erarbeiteten  Theorem  drängt  sich  erst
hinterher  dieses  Wort  als  bloßer,  wenn  auch  sprachnotwendiger  Name
            
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