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,Der Wertgedanke“,
oder falsch seien! — im Grundsätze sicher nicht das Recht haben,
dafür zu gelten.
Die bare Kenntnis des Wertgedankens als solche vermittelt uns
noch nicht die Erkenntnis des Inhalts der Wertforschung. Wir dürften
keineswegs sagen, daß es tatsächlich den Inhalt dieser Forschung
ausmache, das Singularobjekt „Wert“ zu erledigen, das man der Wissen
schaft vorgesetzt denkt. Vorläufig dürfen wir nur sagen, es gehe die
Wertforschung herkömmlich so vor, als ob sie jenes Inhaltes wäre.
Die Bedingung aber, unter welcher der Wertforschung dieser Inhalt
tatsächlich zukäme, liegt auf der Hand: die Wahrheit des Wertgedankens 1
Auch diese Ansicht also — über den Inhalt der Wertforschung —
die schon jenseits der herkömmlichen Meinung von der „Wertlehre“
liegt, dieser Meinung wesentlich unerreichbar ist, aber in der letzteren
Geiste gebildet, auch diese Ansicht steht und fällt in ihrer Gültig
keit mit der Wahrheit des Wertgedankens. Und wenn uns dieser Ge
danke in mehr als einer Hinsicht gleichsam den Schlüssel zur Selbst
besinnung der Wertforschung bedeuten will, so erkennen wir auch hier
die Art, diesen Schlüssel für unsere Zwecke zu handhaben, in nichts
anderem, als in der Kritik des Wertgedankens. 1 )
*) Hier, nachdem es sich geoffenbart hat, daß wir die Bürgschaft zur Erreichung
unseres Zieles — der Selbstbesinnung der Wertforschung — schon in den Händen halten,
sobald uns dasjenige gültig erschlossen sein wird, was ich den Inhalt der Wertforschung
genannt habe, hier muß ich dem Einwande entgegensehen, weshalb ich nicht — in
scheinbar rationellerer Weise — von Haus aus davon ausgegangen bin, jene letzten Dinge
für den Belang der Forschung, die sich auf sich selber besinnen soll, geradenwegs
zu suchen.
Dem ließe sich schon im allgemeinen widersprechen. Die streng methodische
Gliederung einer Untersuchung ist nicht immer die sachlich beste. Es läßt sich eben
nicht alles über einen Kamm scheren. Jeder Stoff — und gar erst ein so eigenartiger,
wie der hier behandelte — regiert seine Behandlung, und vermag daher eine gewisse
Empirie dieser Behandlung sachlich zu rechfertigen. Und tatsächlich läßt sich das Ver
fahren, das ich im Gange dieser Untersuchung befolge, in dem Sinne ein empirisches
nennen, daß ich nur der gegebenen Eigenart des Stoffes, der mir vorliegt, verantwortlich
dafür bleiben will, wie ich ihn behandle. Wie der Stoff, so die Behandlung. Der Schluß
geht in allen Stücken Zug um Zug, und bewahrt mich so vor der Gefahr, mich in All
gemeinheiten zu verlieren.
Es sprechen aber noch besondere Gründe gegen jenen Einwand und rechtfertigen
den Weg, den ich tatsächlich eingeschlagen habe. Ich habe es schon im Texte ange
deutet, daß die Befangenheit des herkömmlichen Denkens von der Art ist, um jede
eigentliche Erwägung über den Inhalt der Wertforschung auszuschließen. Ehe es zu
einer solchen Erwägung käme, verstrickt sich gleichsam das herkömmliche Denken in
die erwähnten Selbstverständlichkeiten, und reißt bei diesen naturgemäß ab. Wenn ich
da nun mit der Tür ins Haus gefallen wäre, so hätte ich der Gefahr trotzen müssen,