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4. Steuern.
Es kann nicht meine Aufgabe sein, in einem kurzen Abriß, wie dem
vorliegenden, die Steuerlehre darzustellen, ich kann nicht einmal auf alle
kriegswirtschaftlichen bedeutsamen Momente eingehen und muß mich damit
begnügen, auf ein und das andere hinzudeuten. Steuern können, wie wir gesehen
haben, nur im Inlande erhoben werden, sie setzen ebenso wie die Zeichengeld
emission das Hoheitsrecht und vor allem die Hoheitsgewalt des Staates vor
aus. Die Steuern können aber sowohl in inländischem Zeichengeld, als auch
in Weltgeld bestehen. Soweit sie Weltgeld hereinbringen, werde ich auf sie
im nächsten Hauptabschnitt noch zurückkommen.
Damit Geldsteuern einen Ertrag von Bedeutung hereinbringen, muß ent
weder ein reger Güterumsatz oder eine rege Schatzbildung vorhanden sein.
Wenn der Staat eine Inlandssteuer erhebt und sich dafür Waren kauft, ¡so
hat er eigentlich damit die Gesamtheit der Warenmengen besteuert. Er hätte
aber auch unmittelbar Waren als Steuer einfordern können. Wir werden
sehen, daß der Staat auch durch Emission von Noten sich einen Teil den
vorhandenen Gütermenge sichern kann. Es trägt sich nun, ob man nicht immer
mit Geldsteuern zum Ziele kommt, selbst dann, wenn der Güterverkehr ein
geringer, und die Hauswirtschaft, welche das konsumiert, was sie produziert,
noch sehr verbreitet ist. Geldsteuern in diesem Falle wirken äußerst ungünstig
auf die breiten Massen der Bevölkerung, sie tragen meist dazu bei, einen Teil
der Bevölkerung in Abhängigkeit von einem anderen zu bringen.
Dies konnten wir sehr gut in Bosnien beobachten. Als Oesterreidh-
Ungarn 1878 Bosnien okkupierte, schaffte es ohne geeignete Übergänge die
früher bestehende und dem Bauern angemessene Naturalsteuer ab und ersetzte
sie durch eine Geldsteuer, die zu einer schweren Last wurde. Der bosnische
Bauer war bis dahin nur gelegentlich dazugekommen, seine Bodenfrüchte kom
merziell zu verwerten, den Zehent zahlte er in natura. Eine Naturalsteuer
kann aber begreiflicherweise ein Bauer immer zahlen, indem er eben einen
Teil seines Fruchtertrages abliefert. Der Bauer, welcher nun zur Geldsteuer
zahlung verpflichtet war, mußte um jeden Preis verkaufen. Wer war der
Abnehmer für ihn? Der Dorfkaufmann, welcher gleichzeitig Geldgeber der
Gegend zu sein pflegte. Diese Kaufleute nahmen den Bauern die E,rnte zu
ungünstigen Bedingungen ab, und viele von ihnen benutzten wohl die Gelegen
heit, allerlei Nebengeschäfte mit ihnen abzuschließen, von denen ein Teil als
wucherisch bezeichnet werden kann. Da zur Zeit der Steuerzahlung die Bauern
viel Getreide auf den Markt werfen mußten, sank gerade um diese Zeit
begreiflicherweise der Preis des Getreides. Auf andere Nachteile der Geld
steuer für die bosnische Landwirtschaft will ich hier nicht näher eingehen.
Wir können heute überall in Bosnien kleine Landwirte in Abhängigkeit von
den Dorfkrämern antreffen, die zum größten Teil Serben sind. Wir sehen aus
diesem Beispiel, daß eine in Geld erhobene hohe Kriegssteuer in manchen
Gegenden Oesterreich-Ungarns, wo die Hauswirtschaft noch eine erhebliche
Rolle spielt, wie z. B. im Osten, vielfach nichts anderes zur Folge hätte, als
eine Verschuldung bäuerlicher Gruppen an die üblichen Geldgeber, die der
Majorität nach kleine Kaufleute zu sein pflegen. Man kann nicht allgemein
die Geldsteuer für ein Übel erklären — sondern müßte die einzelnen Gebiete
und selbst Gebietsteile gesonderter Beurteilung unterziehen. Es kann eine
Geldsteuer in Böhmen sich ausgezeichnet bewähren, die in Bosnien versagt..
Der Schaden wird freilich zuweilen erst spät deutlich merkbar.
Wenn aber der Staat aus irgendwelchen Gründen den Geldertrag be
nötigt, den ihm die Geldsteuer verschafft und er daher die Naturalsteuer
nicht verwenden will, — es können dabei auch technische Momente gegen
dieselbe sprechen —, so gibt es noch immer Mittel, die Härten der unmittel
baren Geldsteuererhebung durch spezifische Hilfsinstitutionen zu mildern. Man
hat auch in Bosnien solche geschaffen, aber freilich erst ein Vierteljahrhundert
nach der Okkupation; es sind dies die Bezirksgetreidespeicher, die 1905 einge
führt wurden. Sie geben dem Bauer die Möglichkeit, sein Getreide, wenn
es ihm gut dünkt, einzulagern und später zu veräußern. Auch kann er auf das