Full text : Einführung in das Studium der Konjunktur

4.  Der  Kapital-  und  Geldmarkt.

159

Es  betrug  in  Deutschland  in  Millionen  Mark  die  Mehreinfuhr ­
  (+)  bzw.  die  Mehrausfuhr  an  Gold 1 )

1896

-  35

1902

b  40

1908

b  317

1897

b  46

1903

-  196

1909

-  35

1898

b  119

1904

-  398

1910

-  187

1899

f-  147

1905

-  190

1911

-  130

1900

b  140

1906

-  269

1912

-  167

1901

b  214

1907

-  3

1913

b  317

Diese  internationale  Goldbewegung  hängt  aber  auch  noch  nach
anderen  Seiten  hin  mit  der  Entwicklung  der  Konjunktur  in  einem
Lande  zusammen.  Einmal  kann  eine  ungünstige  Entwicklung  in  der
Goldbilanz,  wie  sie  im  Jahre  1907,  vor  allem  unter  dem  Einfluß  der
amerikanischen  Wirtschaftskrise,  eingetreten  ist,  die  heimischen
Notenbanken  zum  Schutze  ihres  Goldschatzes  zur  Erhöhung  ihres
Diskontsatzes  zwingen.  Damit  steigt  der  Zinsfuß,  und  damit  kann  ein
lähmender  Einfluß  auf  eine  günstige  Konjunktur  ausgeübt  werden.
Aber  auch  umgekehrt  werden  Änderungen  in  der  Konjunktur  eines
Landes  einen  Einfluß  auf  dessen  Goldbilanz  ausüben  müssen.  Denn
mit  dem  Wandel  der  Konjunktur  ändert  sich  auch  der  Zinsfuß  in
einem  Lande,  was  in  dem  Diskontsatz  der  Notenbank  seinen  äußeren
Ausdruck  findet.  Auch  diese  Zinsbewegung  übt  dann  einen  Einfluß
auf  die  Goldbilanz  aus.
Die  Zusammenhänge  können  hier  verschiedenartige  sein.  Wir
haben  oben  gesehen,  daß,  wenn  unsere  Wechselkurse  tief  standen,
d.  h.  sich  dem  unteren  Goldpunkte  näherten,  damit  von  selbst  die
Einfuhrmöglichkeit  von  Gold  nach  Deutschland  gegeben  war.  Denn
damit  mußte  sich  für  unsere  Schuldner  die  Zahlung  in  Gold  billiger
gestalten  als  der  Ankauf  von  Wechseln  auf  Deutschland.  Je  aktiver
unsere  Zahlungsbilanz  war,  um  so  eher  mußte  dieser  Punkt  eintreten.
Dahin  tendierte  nun,  wie  wir  gesehen  haben,  das  wirtschaftliche
Leben  in  den  Zeiten  der  Depression.  Ob  diese  Wirkung  dann  auch
tatsächlich  eintrat,  war  dann  freilich  eine  andere  Frage,  da  ja,  wie
schon  mehrfach  betont,  für  die  Zahlungsbilanz  neben  der  Handelsbilanz ­
  noch  andere  Faktoren  in  Frage  kommen.  Eine  Gegentendenz
kann  z.  B.  durch  eine  starke  Kapitalanlage  im  Ausland,  wodurch
fällige  deutsche  Guthaben  dort  zurückgehalten  werden,  ausgeübt
werden.
Es  besteht  aber  auch  ein  enger  Zusammenhang  zwischen  Diskontpolitik ­
  und  Goldbilanz.  Dieser  Zusammenhang  kann  ein  beab*) ­

  Nach  den  Zusammenstellungen  in  der  Volkswirtschaftlichen  Chronik
Beil,  zu  den  Jahrbüchern  f.  Nationalökonomie  u.  Statistik.
            
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