Full text : Einführung in das Studium der Konjunktur

2.  Die  private  Unternehmung  im  Wandel  der  Konjunktur.

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schaftlichen  Zuständen  der  Nachkriegszeit  ihre  Erklärung  finde.
Ein  solcher  Zusammenschluß  ermögliche  eine  Zentralisation  des
Einkaufes,  und  eine  Erleichterung  der  Devisenbeschaffung,  die  für
inländische  Unternehmungen  oft  eine  Quelle  dauernder,  oft  verlustreicher ­
  Schwierigkeiten  sei.  „Zu  diesen  Vorteilen  treten,  ganz  abgesehen ­
  von  der  Verbilligung  der  Regiespesen  der  für  den  Kundenkreis ­
  der  Gesellschaft  überaus  wichtige,  weitere  Vorteil  hinzu,  daß
jede  einzelne  der  angeschlossenen  binnenländischen  Fabriken  sich
nur  noch  einem  örtlich  begrenzten  Aktionsradius  zu  widmen  brauche,
denn  es  werde  die  Zuweisung  der  Aufträge  an  jede  der  zukünftigen
Fabriken  durch  die  Zentralstelle  unter  dem  Gesichtspunkt  der  Frachtersparnis ­
  erfolgen.  Die  Hamburger  Fabriken  sollen  auf  diesem  Wege
vom  Inlandsgeschäft  entlastet  werden  und  so  in  die  Lage  kommen,
sich  überwiegend  dem  Exportgeschäft  zu  widmen.“
Noch  weit  deutlicher  und  ausgesprochener  finden  sich  solche
gemeinsamen  Abmachungen  als  Sicherungsmittel  gegen  die  durch
die  Valutaschwankungen  bedingte  Unsicherheit  in  der  Konjunkturlage ­
  in  der  deutschen  Leinenindustrie,  die  sich  zu  diesem  Zweck  in
dem  Röster-Stützvertrag,  dem  Rohstoffs-Ausgleichsvertrag  und  dem
Spinner-Webervertrag  ein  höchst  interessantes  System  von  Garantieverträgen ­
  zum  Schutze  gegen  die  Gefahren  des  Valutarisikos  geschaffen ­
  hat,  ein  System,  das  sich  als  eine  Art  von  Interessengemeinschaft, ­
  wenn  auch  in  sehr  loser  Form,  darstellt.  An  dieser
Stelle  kann  aus  diesen  komplizierten  Abmachungen,  die  sich  als
ausgesprochene  Maßnahme  einer  wohlüberlegten  Konjunkturpolitik
darstellen,  nur  das  allerwichtigste  hervorgehoben  werden *  1 ).
Bei  dem  Röster-Stützvertrag  handelt  es  sich  um  eine  Garantie
für  die  Landwirte  für  den  lohnenden  Absatz  ihrer  Flachsernte.  Durch
Garantien  der  weiterverarbeitenden  Industrie  sollte  den  Rost-  und
Aufbewahrungsanstalten  'die  Abnahme  des  von  ihnen  aufgekauften
Flachses  in  einem  ganz  bestimmten  Ausmaße  sicher  gestellt  werden.
Der  noch  interessantere  Rohstoff-Ausgleichsvertrag  hatte  die  Aufgabe, ­
  die  jeweilige  Konjunktur  in  gewissem  Sinne  aufzufangen.  Es
handelt  sich  hierbei  um  ein  recht  kompliziertes  Vertragsgebilde  mit
dem  Ziele  einer  Regulierung  und  Stabilisierung  der  Preise.  Die
deutschen  Flachsspinnereien  erhellten  von  der  deutschen  Flachsbaugesellschaft ­
  den  Flachs  aus  der  deutschen  Ernte  zu  ganz  bestimmten
Einheitspreisen  geliefert,  gleichgültig,  wie  hoch  sich  die  den  SchwanU ­
  Genauer  darüber  W.  M  e  y,  Die  Rohstoffversorgung  der  deutschen  Leinenuidustrie
  vor,  in  und  nach  dem  Weltkriege.  Dissertation.  Freiburg  1922.  —
I.  Castendyck,  Die  Organisation  der  deutschen  Flachs-  und  Leinenwirtschaft ­
  nach  dem  Kriege.  Dissertation.  Gießen  1923.  Beide  als  Manuskript.
            
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