Full text : Einführung in das Studium der Konjunktur

5.  Die  Beeinflussuüg  von  Konjunktur  und  Konjunkturwandel.  233

Rückgang  oder  einem  Abflauen  der  Konjunktur  sprechen  kann,  aber
nicht  mehr  von  Wirtschaftskrisen  in  dem  früher  üblichen  Sinne  mit
all  ihren  großen  wirtschaftlichen  und  sozialen  Schäden.  Schon  in
dieser  Wandlung  der  Konjunkturschwankungen,  welche  wir  in  diesem
Sinne  in  dem  letzten  Jahrzehnt  vor  dem  Kriege  beobachten  konnten,
liegt  ein  großer  Fortschritt.  Denn  damit  kam  eine  größere  Gleichmäßigkeit ­
  in  das  Wirtschaftsleben,  die  Höhe-  und  die  Tiefpunkte
desselben  wurden  einander  angenähert.  Je  größer  die  Stetigkeit  in
diesem  Sinne  ist,  je  näher  die  höchsten  und  die  tiefsten  Punkte  der
Konjunkturkurve  aneinander  liegen,  um  so  günstiger  ist  dieser  Zustand ­
  für  alle  Teile  der  Volkswirtschaft.  Damit  soll  natürlich  nur
die  Stetigkeit  und  Gleichmäßigkeit  im  Hinblick  auf  dieses  Auf  und
Ab  im  Wirtschaftsleben  gemeint  sein.  Ich  möchte  nicht  der  Auffassung ­
  derer  beitreten,  welche,  wie  es  schon  geschehen  ist,  die
Depression  als  den  eigentlich  wünschenswerten,  d.  h.  dann  in  diesem
Sinne  normalen  Zustand  des  Wirtschaftslebens  bezeichnet  haben.
Freilich  würde  dann  auch  hier  ein  ruhiger,  gleichmäßiger  Zustand
herrschen,  wenn  die  Depression  nicht  durch  ein  Aufsteigen  der  Konjunktur ­
  unterbrochen  würde,  aber  es  wäre  doch  die  Ruhe  des  Friedhofes, ­
  bei  der  nie  die  reichen  wirtschaftlichen  und  technischen
Kräfte  eines  Volkes  zur  vollen  Entfaltung  kommen  könnten.
Der  wünschenswerte,  ideale  Zustand  scheint  mir  derjenige  eines
möglichst  gleichmäßigen,  ruhigen  Ablaufs  der  Konjunktur  zu  sein,
ein  Zustand,  welcher  jedoch  dabei  keineswegs  die  Züge  einer  Depression ­
  zu  tragen  braucht.  Damit  soll  nicht  gesagt  sein,  daß  nicht  auch
eine  ausgesprochene  Depressionsperiode  ihre  für  die  wirtschaftliche
Entwicklung  günstigen  Seiten  haben  kann.  Man  hat  schon  häufig
genug  darauf  hingewiesen,  daß  Verbesserungen  in  der  Produktion  vornehmlich ­
  in  den  Zeiten  sinkender  Unternehmergewinne  gemacht
werden.  In  solchen  Zeiten  hat  der  Unternehmer  eben  ein  ganz  besonderes ­
  Interesse  daran,  sich  um  die  Vervollkommnung  der  Produktionsmethoden ­
  zu  kümmern.  Schon  im  Jahre  1854  hat  ein  englischer
Fabrikinspektor  A.  Redgrave  in  seinem  Berichte  darüber  das  folgende
gesagt:  „Wenn  der  Handel  gut  geht  und  alle  Waren  Käufer  finden,
dann  kümmert  sich  niemand  um  Vervollkommnungen  und  die  Erfindung ­
  neuer  Produktionsmethoden;  aber  wenn  der  Handel  aus  irgendwelchen ­
  Gründen,  welche  durch  Anstrengungen  des  Geistes  und  irgendwelche ­
  Energie  beseitigt  werden  können,  in  Stockung  gerät,  dann
finden  Vervollkommungen  der  Produktion  statt.“
Wenn  wir  nun  zur  Betrachtung  der  Konjunkturpolitik  in  dem
zweiten,  ober  dargelegten  Sinne  übergehen,  indem  wir  darunter
die  Maßnahmen  verstehen,  die  geeignet  sind,  bewußt  und  plan ­
            
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