Full text: Einführung in das Studium der Konjunktur

5. Die Beeinflussung von Konjunktur und Konjunkturwandel. 247 
U Adolf Weber, a. a. 0. S. 341—342. 
der Kreditpolitik sich zu sehr als Depositenbanken betätigen, wodurch 
dann freilich die Stagnation in der Volkswirtschaft nicht unwesent 
lich verschärft werden könnte“ *). 
Wenn man auch zweifellos gegenüber den älteren Zeiten in der 
Art des Vorgehens der Banken bei der Gewährung von Krediten, bei 
der Emission neuer Aktien usw., einen großen Fortschritt konsta 
tieren kann, wenn auch zweifellos in dieser Hinsicht die Banken aus 
der Vergangenheit vieles gelernt und deshalb auch ihren Anteil an 
dem ruhigeren, gleichmäßigeren Gang unseres Wirtschaftslebens in 
dem letzten Jahrzehnt vor dem Kriege haben, so wird man doch 
auch sagen müssen, daß in dieser Hinsicht noch vieles zu bessern 
ist, daß, um an den Gedanken Adolf Webers anzuknüpfen, die Groß 
banken noch einen weiten Spielraum haben, innerhalb dessen sie in 
der Lage sind, volkswirtschaftliche Notwendigkeiten vor privatwirt 
schaftliche Interessen zu stellen. 
Zwar sind die Kreditbanken durchaus privatwirtschaftliche Orga 
nisationen, eingestellt auf Gewinnerzielung, wie jede andere private 
Unternehmung auch. Mit dem Wachstum der Banken jedoch, mit der 
immer stärkeren und einflußreicheren Stellung, welche sie durch 
ihren Zusammenschluß und ihr gegenseitiges Zusammenarbeiten in 
der Volkswirtschaft einnehmen, erwachsen ihnen neben ihren rein 
privatwirtschaftlichen Interessen auch in gewissem Sinne öffentliche, 
volkswirtschaftliche Aufgaben. Es entsteht für sie damit ein gewisses 
Maß volkswirtschaftlicher und gesellschaftlicher Verantwortung, dem 
sie sich nicht entziehen können und dürfen. In vieler Hinsicht haben 
unsere Großbanken schon diese Wege beschritten und je weiter sie 
auf ihnen vorangehen, um so mehr werden sie auch imstande sein, 
eine positive Konjunkturpolitik, vor allem in den Zeiten der Hoch 
konjunktur, in dem oben dargelegten Sinne zu treiben. Hier liegen 
in dieser Hinsicht im Hinblick auf die Konjunktur die Hauptauf 
gaben der Banken, in den Zeiten der Hausse mäßigend zu wirken. 
Diese Tätigkeit ist eine viel wichtigere als diejenige, dann helfend 
einzugreifen, wenn einmal der Rückgang da ist. Um was es sich 
dabei im einzelnen für die Banken handelt, hat Schulze-Gäver 
nitz mit folgenden Worten ausgedrückt: 
„Sie (die Kreditbank), halte hemmend zurück in Zeiten un 
gesunden Hochganges, den der erfahrene Banker an folgenden An 
zeichen erkennt: sprunghafte Vergrößerung des Kreditbedürfnisses, 
zahlreiche Wechselprolongationen, Verwendung des Bankkredits für 
dauernde Anlagen oder gar Dividendenzahlung, Herauf schnellen der
	        
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