5. Die Beeinflussung von Konjunktur und Konjunkturwandel. 249
hinter volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten zurücktreten zu lassen,
wird man auch mit Bestimmtheit damit rechnen können, daß, wenn
nicht Störungen von außen eintreten, in Zukunft eine noch weitere
Abflachung dieser Konjunkturkurve und damit eine noch größere
Stetigkeit im Wirtschaftsleben als bisher eintreten kann.
In interessanter Weise hat bereits der Geschäftsbericht der Dresdener
Bank für das Jahr 1908 über diese Zusammenhänge von Banken
und Industrie und deren verschiedenen Einfluß auf die Konjunkturentwicklung
sich geäußert: „Die Rückwirkung der industriellen Konjunkturen
auf das Bankgeschäft wird in Zukunft voraussichtlich
geringer sein, als in der Vergangenheit. Die Konzentrationsbewegung
in der Industrie, insbesondere der sog. schweren Industrie, hat dieselbe
unleugbar von den Banken unabhängiger gemacht und andererseits
fällt den Banken mit der Steigerung des nationalen Wohlstandes
nicht mehr in demselben Maße, wie früher, die wirtschaftliche Aufgabe
zu, zu industriellen Unternehmungen durch eigene Beteiligungen
die Initiative zu ergreifen. Wenn damit, wie sich schon während der
letzten Hochkonjunktur gezeigt hat, die Chance einmaliger, größerer
Gewinne aus Industriegeschäften für die Banken vermindert wird,
wird dieser Nachteil dadurch einigermaßen aufgewogen, daß sie bei
Rückschlägen in der Konjunktur an dem Unternehmerrisiko weniger
beteiligt sind.“
Nicht minder stark wie der Einfluß der Kreditbanken auf die
Entwicklung der Konjunktur kann derjenige der Zentralnotenbank
sein. Auch hier gilt das gleiche, was oben bereits von den
Maßnahmen der Kreditbanken gesagt worden ist. Man muß auch
hier scharf die Konjunkturpolitik in dem doppelten, oben dargelegten
Sinne voneinander trennen. Einmal die Maßnahmen einer bestimmten,
gegebenen Marktlage gegenüber, Maßnahmen, die wir ja
oben bereits kennengelernt haben, wie z. B. Diskonterhöhungen, um
das vorgeschriebene Deckungsverhältnis zu sichern, und dann demgegenüber
eine Konjunkturpolitik in dem ganz anderen Sinne, daß
man darunter die Maßnahmen versteht, welche den ausgesprochenen
Zweck verfolgen, bewußt einen Einfluß auf den Gang der Konjunktur
auszuüben Beide Arten von Maßnahmen greifen vielfach ineinander
über, ähnlich wie es auch bei dem analogen Vorgehen bei den Kreditbanken
der Fall ist. Beide Male ist die reinliche Scheidung vor
allem für den Außenstehenden keineswegs leicht durchzuführen,
zumal ja auch beide Arten der Konjunkturpolitik nach der gleichen
Richtung hin wirksam sind.
Bei den Maßnahmen, welche von seiten der Notenbanken einen
unmittelbaren Einfluß auf den Gang der Konjunktur auszu