5. Die Beeinflussung von Konjunktur und Konjunkturwandel. 253
setzen, indem sie positiv, unmittelbar oder mittelbar durch die
Kreditbanken, eindämmernd auf die Gewährung von Krediten, vor
allem auf solche, denen keine Warengeschäfte zugrunde liegen, einwirkt.
Schon vor Jahren hatte in einer Sitzung des Zentralausschusses
der Reichsbank der Reichsbankpräsident von den anwesenden
Vertretern der Banken gefordert, daß einmal die übermäßige Kreditgewährung
an die Börsen- und Privatspekulation erheblich eingeschränkt
werden müsse, daß die Banken ihren außerordentlich
hohen Akzeptumlauf verringern sollten, mit der Gewohnheit brechen
müßten, vor allem im Auslande, kurzfristige Kredite aufzunehmen
und daß sie darauf sehen müßten, ihren Barvorrat so zu verstärken,
daß er in ein vernünftiges Verhältnis zu den Einlagen gebracht
würde 1 ). Eine solch übermäßige Anspannung der Kredite in der
Hochkonjunktur ist um so gefährliche]» je mehr diese so kurzfristig
gewonnenen Mittel bei einer später eintretenden Verknappung des
Kapitalmarktes dazu dienen können, zu Anlagezwecken verwandt zu
werden. An diesem Punkte hat vor allem die Diskontpolitik der
Notenbank einzusetzen, die mit einer Verteuerung der kurzfristigen
Mittel einengend auf die Kreditgewährung überhaupt und vor allem
auf die Verwendung kurzfristiger Kredite für Anlagezwecke einzuwirken
imstande ist. Solche Diskonterhöhungen greifen, wie wir
oben gesehen haben, aus einer gewissen Selbsthilfe heraus, in Zeiten
von Krisen oder auch dann Platz, wenn z. B. die Notenbank dem
Auslände gegenüber ihren Metallbestand schützen will.
Die Diskontpolitik, von welcher jedoch hier die Rede ist, ist
eine ganz andere. Sie ist als Maßnahme einer positiven Konjunkturpolitik
gedacht, um auf diese Weise eine Kreditüberspannung während
der Hochkonjunktur zu bekämpfen. In diesem Sinne ist die Diskonterhöhung
als eine präventive Maßnahme aufzufassen. Auf
diesem Wege ist nämlich die Notenbank in der Lage, einer zu weitgehenden
Inanspruchnahme des Kredits für Spekulations- und Gründungszwecke
vorzubeugen und damit einen bestimmten Einfluß auf
den Gang der Hochkonjunktur auszuüben.
Mag eine solche Maßnahme auch in diesen Zeiten des wirtschaftlichen
Aufstieges von Handel und Industrie als unliebsam und unbequem
empfunden und bekämpft werden, mögen solche Maßnahmen
auch dahin wirken, daß dieser wirtschaftliche Aufstieg während der
Hochkonjunktur vielleicht früher zu Ende geht als es sonst der Fall
gewesen wäre, so wird doch ein solches Eingreifen der Notenbanken
einen beruhigenden Einfluß auf das Wirtschaftsleben ausüben und
D Nach Lansburgh, Die Maßnahmen der Reichsbank zur Erhöhung
der Liquidität der deutschen Kreditwirtschaft. Stuttgart 1914. S. 16.
Mombert, Stadium der Konjunktur. 17