Full text : Einführung in das Studium der Konjunktur

5.  Die  Beeinflussung  von  Konjunktur  und  Konj  unkturwandel.  251

Reichsbank  aber  dürfte  hieran  nicht  ganz  schuldlos  sein,  denn  sie
fordert  von  den  Banken  und  Bankiers  dauernd  Zuweisung  von  Diskontwechseln. ­
  Was  aber  sollen  die  Banken  mit  dem  Erlös  dieser
Diskontgeschäfte  anfangen?  Das  Geld  flüssig  liegen  zu  lassen,  wäre
ein  schlechtes  Geschäft,  also  suchen  sie  dafür  Verwendung  durch
Gewährung  von  Krediten.  Die  Sucht  der  Reichsbank,  Geschäfte  zu
machen,  wird  von  einer  Reihe  ihrer  Direktoren  in  der  Provinz  dahin
aufgefaßt,  daß  diese  sich  nicht  damit  begnügen,  wenn  die  Bankiers
nur  den  normalen  Bedarf  durch  Wechseleinreichungen  befriedigen.
Diese  Reichsbankdirektoren  fordern  stets  mehr  Geschäfte,  damit  die
Reichsbank  Diskontgewinne  macht  und  ihre  Direktoren  Tantieme-Einnahmen ­
  haben.  Kommen  die  Banken  diesen  Aufforderungen  nicht
in  einem,  die  betreffenden  Direktoren  befriedigenden  Maße  nach,  so
wird  ihnen  bedeutet,  daß  ihr  Mindestguthaben  auf  Girokonto  erhöht
werden  muß  1 ).“
Aus  diesen  Bemerkungen,  die  in  dieser  Weise  an  dem  Vorgehen
der  Reichsbank  Kritik  üben,  ergeben  sich  zugleich  auch  gewisse
Richtlinien  für  das  Verhalten  der  Notenbank,  vor  allem  auch  in  den
Zeiten  der  Hochkonjunktur.  Haben  wir  doch  oben  gesehen,  daß  eines
der  Mittel,  eine  größere  Gleichmäßigkeit  und  Ruhe  im  Ablauf  der
Konjunktur  herbeizuführen,  gerade  darin  besteht,  daß  in  Zeiten
der  Hochkonjunktur  dafür  gesorgt  wird,  daß  der  Aufstieg  ein
gewisses  Maß  nicht  übersteigt  unld  daß  hier  spekulative  Ausschreitungen ­
  vermieden  werden,  und  daß  nicht  durch  eine  aufgeblähte,
alles  gesunde  Maß  übersteigende  Kreditgewährung,  die  ihren  äußeren
Ausdruck  in  starken  Wechselprolongationen  und  einem  hohen
Akzeptumlauf  der  Banken  findet,  das  spekulative  Element  während
der  Hausse  und  damit  diese  selbst  noch  mehr  gefördert  wird.  Denn
unter  sonst  gleichen  Umständen  wird  der  wirtschaftliche  Rückschlag
beim  Niedergang  der  Konjunktur  um  so  stärker  sein,  je  angespannter
die  Kreditwirtschaft  gewesen  ist,  je  mehr  die  Industrie  und  der
Handel  über  die  eigenen  Mittel  hinaus  mit  Kredit  operiert  haben.
Ein  solches  Aufdrängen  von  Kredit,  um  der  Konkurrenz  den  Rang
abzulaufen,  oder  in  der  Hoffnung,  bei  kommenden  Emissionen  entsprechend ­
  hohe  Gewinne  zu  machen,  kann  ja  unmittelbar  von  seiten
der  Kreditbanken  geschehen,  aber  auch  ein  unzweckmäßiges  Verhalten ­
  der  Notenbank  kann,  wie  diese  Zuschrift  gezeigt  hat,  die
gleiche  Wirkung  hervorrufen.
In  dieser  Hinsicht  hat  die  Notenbank  eines  Landes  Mittel  an  der
Hand,  einen  mäßigenden  Einfluß  auszuüben.  Einmal  unmittelbar  auf

*)  Reicbsbank  u.  Kreditbanken.  Zweites  Morgenbl.  27.  Februar  1912,
            
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