C. Gründe des Geburtenrücdganges 27
Das Eigenhaus und Keinhaus ft fajt ganz verfhivunden. Die Auf-
wendungen für den Bau und die Einrichtungen einer Wohnung, Straßen-
baufoiten und Steuern uf. find ftetig gewadjen. Die Spekulation der
Srund- und Hausbejiger Hat die Preije noch weiter in die Gühe gefhraubt.
So wird fjelbjt bei Meiner Kinderzahl in der Regel ein Viertel und mehr des
Eintonmmen? der minderbemittelten Mafjfen für die Miete in Anfpruch
genommen. Fe größer die Familie wird, je mehr für NaYrung, Keidung,
Erziehung ujtw. erforderlich ift, defto mehr drängt die Not auf EinfHränkung
der Wohnräume bezüglich der Zahl, Größe und Yualität. Meijltenz wird
die Löfung darin gefunden, daß unter möglichjter eigner Einjdhränkung
Zimmer vermietet oder gar Schlafburichen und -mähchen in die eigne
amilie aufgenonımen werden.
Zur Beleuchtung eınige Zahlen: In Berlin waren 1900 43 Prozent aller Haushal
tungen in einränmigen, 28 Prozent in zweiräumigen Wohnungen untergebracht.
(3 wurden 1955 Haushaltungen gezählt, die in einem einzigen Raume Eltern, Kinder
(unter 15 Sahre) und Schlafleute bis zu 10 Köpfen, in 48 fogar Schlafleute verfhie-
denen Selchlechts beherbergten. Soldje grauenhafte Zujtände beitehen aber nicht bloß
in Berlin. In Wohnungen mit nur einem Zimmer (mit oder vhne Zubehör) wohnten
von je 100 Bewohnern in Barmen 55, Königsberg 54, Rirdorf 54, Magdeburg 46,
Kofen 45, Görlit 45, Berlin 44, Halle a. S. 43, Breslau 41. Die Überfüllung diefer
einzimmerigen Wohnungen erhellt aus der erfhütternden Zatjadhe, daß von diefen
mehr als Ted Berfonen beherbergten in Königsberg 26 Prozent, Pojen 24,
Barmen 22, Halle a. S. 20, Hannover 18, Magdeburg 17, Altona 15, Breslau 15,
Riel 14, Rirdorf 14, Charlottenburg 18, Berlin 12, Schöneberg 12.)
Daß unter folgen Wohnungsverhältniffen das Familienleben fittlich
und phylijch verfünımern muß, it Har. Aber auch bei mehr Näumen {ft
die Zujammendrängung in den Hohen Mietkajernen von verderblichem
Einfluß. Unter diejem leiden namentlih Frau und Kinder, und unter
legtern vor allem die Säuglinge und die vorrehulpflihtigen Kinder. Die
Schullinder finden wenigitens nod) auf dem Wege von und zur Schule und
auf dem Spielplaß Bewegung, frijde Luft und Licht, während die Kleinen
meiften3 in den dumpfen, in Sommer oft überheißen, engen, überfüllten
Wohnräumen fejtgebannt find. In den Hohen Stodwerken kommt die Mutter
nicht dazu, fie Herauszuführen; e8 fehlt aud) an nahegelegenen freien
Klägen für Spiel und Bewegung. Seht die Mutter gar dem auferhäus-
lien Erwerbe nach, jo werden die Kinder meiftens eingefdlofjen fich felbit
überlajjen. Dazu kommen die befondern Schäden der Wohnungen im Keller-
gelduß (dumpfe, feuchte Luft, Straßenlärm und taub) wie in den Dach-
tuben (im Winter kalt, im Sommer überheiß), Mangel an Luft und Licht,
zumal bei fehlender Nuerdurchlüftung, die gefteigerten Gefahren der An-
jtedung auf Treppen und Fluren (Mafern, Diphtherie, Scharlach, Schwind-
Jucht ufm.), die Gefährdung der Sittlichteit und des häuslichen Friedens.
PD ı&rhaltuna 151
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