Full text : Einführung in das Studium der Konjunktur

2.  Die  Konjunktur  während  und  nach  dem  Kriege.

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Wir  haben  oben  gesehen,  daß  eine  der  volkwirtschaftlich  wichtigsten ­
  Seiten  der  Hochkonjunktur  darin  liegt,  daß  während  dieser
Zeit  die  wirtschaftliche  Leistungsfähigkeit  eines  Landes  auf  ihrem
Höhepunkt  steht,  daß  keine  Arbeitslosigkeit  herrscht,  niemand  müßig
geht,  daß  alle  Maschinen  und  sonstigen  Produktionsmittel  in  voller
Tätigkeit  sind  und  daß  damit  in  einer  solchen  Zeit  auch  der  Wohlstand ­
  des  ganzen  Volkes  zunimmt.  Wir  werden  das  alles  später  noch
im  einzelnen  kennen  lernen.  Man  wird  also  auch  sagen  können,  daß
in  solchen  Zeiten  einer  günstigen  Konjunktur,  wenn  auch  mit  Einschränkungen, ­
  von  denen  oben  bereits  die  Rede  gewesen  ist,  die
Interessen  der  einzelnen  Erwerbswirtschaften  mit  denen  der  Gesamtheit ­
  Hand  in  Hand  gehen,  daß  man  also  in  einer  solchen  Zeit  nicht
nur  von  einer  Hochkonjunktur  für  die  einzelnen  Erwerbswirtschafteh,
  sondern  auch  für  die  ganze  Volkswirtschaft  reden  kann.
Eine  einfache  Überlegung  zeigt  jedoch,  daß  trotz  zahlreicher
äußerer  Symptome  einer  solchen  Hochkonjunktur,  während  des  Krieges ­
  von  einer  solchen  Übereinstimmung  privatwirtschaftlicher  und
volkswirtschaftlicher  Interessen  keineswegs  so  allgemein  die  Rede
sein  konnte.  Es  wurden  zwar  auch  während  des  Krieges,  von  einzelnen ­
  Industriezweigen  abgesehen,  die  vorhandenen  Produktionsanlagen ­
  und  Maschinen  voll  ausgenutzt,  die  Löhne  stiegen,  von  einer
allgemeinen  Arbeitslosigkeit  war  keine  Rede,  aber  niemand  wird
behaupten  wollen,  daß  mit  diesen  äußeren  Erfolgen  der  privaten  Erwerbswirtschaften ­
  eine  wirtschaftliche  Kräftigung  und  eine  Zunahme ­
  des  Wohlstandes  der  ganzen  Volkswirtschaft  Hand  in  Hand
gegangen  ist.  Das  deutsche  Volk  lebte  eben  in  dieser  Zeit  in  hohem
Maße  von  dem  Verbrauch  vorhandener  Gütervorräte,  vor  allem  an
Rohstoffen.  Maschinen  und  sonstige  Produktionsmittel  wurden  nicht
nur  bis  zur  Grenze  ihrer  Leistungsfähigkeit  ausgenutzt,  sie  wurden
vielfach  abgenutzt,  ohne  daß  im  allgemeinen  von  einer  entsprechenden ­
  Erneuerung  hätte  die  Rede  sein  können.  Das  war  nicht  nur  in
der  Industrie  der  Fall,  das  gleiche  gilt  vielmehr  auch  für  die  Landwirtschaft. ­
  Man  denke  nur  daran,  was  in  der  deutschen  Landwirtschaft, ­
  vor  allem  an  Vieh  und  sonstigen  Produktionsmitteln,  ohne  Ersatz ­
  verbraucht  worden  ist,  oder  man  denke  daran,  in  welchem  Umfange ­
  durch  Mangel  an  Düngemitteln  und  zureichenden  Arbeitskräften ­
  zur  Felderbestellung,  ein  Raubbau  am  Boden  stattgefunden
hat,  unter  dessen  Nachwirkungen  wir  ja  jetzt  alle  noch  zu  leiden
haben.
Von  einer  Zunahme  in  der  Leistungsfähigkeit  der  Volkswirtschaft ­
  ,  von  einer  Blüte  derselben,  von  einem  Aufschwung  des  ganzen
Wirtschaftslebens,  wie  wir  ihn  sonst  bei  guten  Konjunkturen  zu  finden
            
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