Full text : Einführung in das Studium der Konjunktur

3.  Die  Stabilisierungskrise.

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War  doch  auch  einer  der  Gründe  für  die  Ausgabe  der  kleingestückelten ­
  Goldanleihe  des  Reiches  darin  gelegen,  die  landwirtschaftliche ­
  Ernte  mobilisieren  zu  helfen.  Es  war  vorauszusehen,
daß  es  bei  dem  Weitertreiben  der  Geldentwertung  in  einem  solchen
Tempo  zu  schlimmen  Störungen  in  der  Güterzirkulation  kommen
mußte 1 ),  die  von  den  schwersten  Folgen  begleitet  sein  konnte.  So  hat
also  dieser  rasende  Absturz  der  deutschen  Währung  lähmend  auf  das
Geschäftsleben  gewirkt  und  nicht,  wie  vorher,  wo  sich  die  Entwertung ­
  nur  langsam  vollzog,  dasselbe  angeregt.  Darin  lag  auch
einer  der  Gründe,  daß  die  Stabilisierung  zunächst  im  geschäftlichen
Leben  als  Erlösung  aus  diesen  unhaltbar  gewordenen  Zuständen
empfunden  worden  ist,  und  daß  diese  Stabilisierung  deshalb  auch
wenigstens  zunächst,  wenn  auch  dabei  noch  andere  Gründe  mitspielten, ­
  im  Gegensatz  zu  den  Erfahrungen  in  anderen  Ländern,  keineswegs ­
  ungünstig  auf  die  deutsche  Konjunktur  gewirkt  hat.
3.  Die  Stiibilisierungskrise.
Die  Stabilisierung  einer  Währung  kann  auf  verschiedene  Weise
vor  sich  gehen.  Entweder  in  der  Form,  daß  eine  bewußt  deflationistische ­
  Politik  in  der  Weise  betrieben  wird,  daß  man  durch  eine
scharfe  Erhöhung  des  Zinsfußes,  durch  starke  Krediteinschränkungen ­
  oder  besonders  hohe  Steuern  einen  Druck  auf  das  Wirtschaftsleben ­
  ausübt  und  so  '  durch  einen  Druck  auf  die  Preise  eine
Erhöhung  des  Geldwertes  zu  erzwingen  sucht.
Derartige  Maßnahmen  haben  auch  nach  dem  Kriege  sowohl  die
Vereinigten  Staaten,  wie  auch  England,  angewandt.  In  England  war
im  Jahre  1920  das  Pfund  Sterling  gegenüber  dem  Dollar  auf  3,20
(Parität  4,862/3)  zurückgegangen  und  auch  in  den  Vereinigten  Staaten
war  eine  Minderung  des  Geldwertes  eingetreten.  In  England  hatte
man  eine  Kontraktion  des  Notenumlaufes  vorgenommen  mit  der
Wirkung,  daß  eine  Verknappung  auf  dem  Geldmärkte  eintrat  und  der
Diskontsatz  vom  November  1919  bis  zum  April  1920  von  5  auf  7  0/0
in  die  Höhe  ging.  Nicht  nur  hörte  die  Vermehrung  der  Currency  Notes
auf,  ihr  Betrag  war  auch  vom  4.  August  1920  bis  zum  Mai  1921  um
28,1  Mill.  £  vermindert  worden.  In  den  Vereinigten  Staaten  nahmen
die  Notenbanken  erhebliche  Krediteinschränkungen  vor,  man  ging
hier  sogar  in  beträchtlichem  Umfange  zu  Kreditkündigungen  über.
Das  waren  in  beiden  Ländern  Maßnahmen,  die  stark  auf  die
Kaufkraft  und  den  Unternehmungsgeist  drücken  mußten.  Als  dann
1 )  Über  ähnliche  Vorgänge  in  anderen  Staaten  vgl.  Mises,  Die  geldtheoretische ­
  Seite  des  Stabilisierungsproblems.  Schriften  des  Vereins  für
Sozialpolitik.  München  1923.  Bd.  164.  S.  11.
Mombert,  Studium  der  Konjunktur-.  6
            
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