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Wortführern der bürgerlichen Parteien in der Stadtverordnetenversammlung
gegen die Angaben und Forderungen der Petition ins Feld geführt
worden waren. Sie legten diese Abwehr in Resolutionen nieder, die aufs
neue und eindringlich die Forderung auf Abhilfe erhoben. Aber das
Resultat blieb das gleiche. Auch die zweite Petition ward am 12. Februar
von der Stadtverordnetenversammlung abgelehnt. Noch herrschte im Roten
Lause die Manchesteridee fast unbeschränkt. Die freie Konkurrenz, das sich
selbst überlassene Walten der wirtschaftlichen Kräfte sollten durch keine irgend
wie durchgreifenden Gegenmaßregeln beeinträchtigt werden, dann werde die
Peilung um so schneller kommen. Mit Trostesworten dieser Gattung und
dem Pinweis darauf, daß in äußersten Fällen Almosen verabfolgt werden
würden, wurden die Arbeitslosen abgespeist.
Die Peilung kam aber nicht so schnell. Der Winter 1891/92 sah noch
größeren Notstand und demgemäß in erhöhtem Grade den Drang, für Ab
hülfe zu demonstrieren. Am 8. Januar 1892 fanden denn auch in den glcicken
Räumen wie im Vorjahr wieder zwei große Arbeitslosenversammlungen
statt, die die Forderung auf Abhilfe erhoben. Sie nahmen äußerlich eiuen
ruhigen Verlaus und — blieben von den Behörden unberücksichtigt. Zum
Teil deshalb endete eine gegen sieben Wochen später veranstaltete De
monstration arbeitsloser Bauhandwerker weniger harmlos. Nach Schluß
der Versammlung, die der Auflösung verfiel, zogen Trupps meist jüngerer
Arbeitsloser und solcher junger Burschen, die sich überall einfinden, wo es
außergewöhnliches gibt, in die innere Stadt nach den Linden und dem
Schloß zu. Anterwegs und auf dem Schloßplatz kam es zu Zusammenstößen
zwischen den einzelnen Trupps und den sie auseinandertreibenden Schutzleuten,
wobei den letzteren aus der Menge heraus mit Steinwürfen geantwortet
wurde. Auch wurden einige Läden mit Nahrungsmitteln geplündert.
Das alles entsprach so wenig der von der Sozialdemokratie verfochtenen
und den Arbeitern eingeprägten Verhaltungsweise, daß sich in sozialistischen
Kreisen sofort der Verdacht regte, Lockspitzel müßten bei der Sache die
Land im Spiele gehabt haben, und der „Vorwärts" gab dem auch unver
hohlen Ausdruck und sprach sich über die Teilnehmer an den Trupps höchst-
wegwerfend aus. Es seien fast nur halbwüchsige Burschen und von
zweifelhaften Gestalten geführtes Straßengesindel — „Ballonmützen" —
gewesen. Das ward ihm sehr verargt, und namentlich die damals noch
ziemlich zahlreichen Unabhängigen zogen in ihrem Organ und in Versamm
lungen heftig gegen diese vermeintliche Beschimpfung notleidender Proletarier
los. Indes waren es tatsächlich fast nur junge Leute, die wegen der Exzesse
sistiert wurden und später — am 19. und 22. März, am 9. und 26. April
und am 2. und 3. Mai 1892 — vor Gericht kamen, das ungemein hohe
Strafen über sie verhängte. Der „Vorwärts" hatte zu starke Verall
gemeinerung geübt, aber nicht unrichtig geurteilt, wenn er behauptete, daß
die eigentlichen Arbeitslosen bei den Zügen in die innere Stadt gar nicht
beteiligt gewesen seien. Daß dies auch die Meinung vieler Arbeiter war,
zeigte sich in einer zweiten Versammlung arbeitsloser Bauhandwerker, die
ani 12. März 1892 im großen Saal der Brauerei Tivoli stattfand. Es
kam daselbst wegen der Behauptungen des „Vorwärts" zu lebhaften Aus
einandersetzungen mit den Unabhängigen, aber nur eine Minderheit der
Versammlung stimmte den Angriffen dieser auf den „Vorwärts" bei.