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Bedingten, das als solches nicht die spezifische Eigenart des Geldes
ausmacht.
Zur philosophischen Rechtfertigung dieser Grundsätze berufe ich
mich in der Hauptsache auf die Lehren der Phänomenologen, ins-
besondere Husserls „Ideen zu einer reinen Phänomenologie und phäno-
menologischen Philosophie‘ (vgl. vor allem die ersten 8 Paragraphen). Daß
der Gedanke der Wesenserkenntnis, des Verfahrens der „eidetischen Reduk-
tion‘ in der Geldlehre nichts Neues ist, beweisen die vielen Buch- und
Kapitelüberschriften ‚Wesen des Geldes‘ (z. B. Bendixen, Richard Hilde-
brand, Liefmann, Marenzi, Mises), Trotzdem tritt die Selbständigkeit
und Eigenart dieser Forschungsweise bei den Geldtheoretikern bisher kaum
irgendwo zutage; am ehesten noch bei Marenzi, der auf die Möglich-
keit eines dritten Erkenntnisweges neben Induktion und Deduktion auf-
merksam macht.
Von Vertretern der allgemeinen Wirtschaftstheorie
sind Dietzel und Wieser in diesem Zusammenhange zu nennen,
Dietzel betont die Notwendigkeit der „Isoliermethode: .. durch
induktives oder deduktives Verfahren vollzogene Beschreibung der spe-
zifischen Wirkungsweise gewisser im natürlichen Geschehen wirksamen
Kausalmomente unter Bedingungen, wie sie in concreto vielleicht nie vor-
liegen. Denn es wird ja angenommen, daß die betreffenden Kausalmomente
isoliert walten, während sie doch in concreto vielleicht niemals allein, sondern
stets mit anderen — bald diesen, bald jenen — Kausalmomenten zusammen-
wirken. Die Isoliermethode ignoriert die variablen Begleiter, abstrahiert
von ihnen“ (S. 103, 16/17). Nur insofern kann diesen Ausführungen nicht
zugestimmt werden, als es sich bei der Wesenserkenntnis im phänomenolo-
gischen Sinne nicht um Induktion oder Deduktion, sondern um das handelt,
was oben als die eidetische Reduktion eines Tatsachenkomplexes auf
Wesenheiten und Wesenszusammenhänge bezeichnet wurde. Ferner ist die
„Wesensschau‘‘, welche die Grundlage jeder phänomenologischen Erkenntnis
bildet, eine durchaus eigenartige, originäre Sinngebung, keineswegs nur,
wie Dietzel meint, ein „indirekter Weg zur Erkenntnis des Konkreten‘‘.
— Wieser kommt der phänomenologischen Betrachtungsweise wohl noch
weiter entgegen: „Die Aufgabe der Wirtschaftstheorie besteht darin,
den Inhalt der gemeinen wirtschaftlichen Erfahrung wissenschaftlich auszu-
schöpfen und zu deuten ,.. Die Aufgabe des Theoretikers endigt immer
dort, wo die gemeine Erfahrung endigt, und wo die Wissenschaft ihre Beobach-
tungen im Wege der historischen oder statistischen Arbeit sammeln muß...
Die Methode der Wirtschaftstheorie ist empirisch, sie ruht auf Beob-
achtung und hat kein anderes Ziel als das, die Wirklichkeit zu beschreiben.
Während aber der Historiker einen individuellen geschichtlichen Verlauf
darstellt und der Statistiker alle gegebenen Fälle zählt, geht der Theo-
retiker darauf aus, die typischen Erscheinungen und den typischen Verlauf
zu beschreiben, mit Hinweglassung des Zufälligen. Er
bedient sich hierbei der Hilfsmittel der Isolierung und der Idealisierung, die
ja auch in den exakten Naturwissenschaften seit jeher und ohne Bedenken
gebraucht werden ... So wenig wie der Punkt oder die Linie (des Mathe-
mnatikers) sind seine idealisierenden Annahmen Hypothesen: Hypothesen