Full text: Kann das Geld abgeschafft werden?

staltung der Warenpreise ein, weil es von den Wirtschaftspersonen 
im einzelwirtschaftlichen Interesse selbst wie eine Ware behandelt 
und dadurch die Regelmäßigkeit seines Umlaufs gehemmt wird, 
Der privatwirtschaftlichen Willkür im Geldgebrauch (Nichtgebrauch 
sowohl wie Übergebrauch) begegnet der Staat durch Geldpolitik, 
d. h. durch verwaltungswirtschaftliche Eingriffe in den freien kon- 
kurrenzwirtschaftlichen Marktverkehr. Indes wird auch dadurch 
der Mißbrauch des Geldes nicht schlechthin beseitigt; er kann so- 
gar durch geldpolitische Maßnahmen gesteigert werden, wenn der 
Staat sich seinerseits bei der Geldschöpfung von privatwirtschaft- 
lichen (fiskalischen) Interessen leiten läßt, da diese den gesamt- 
wirtschaftlichen zeitweise zuwider laufen können. In letzterem 
Falle kann selbst das vom Staat ausgegebene Geld Surrogat 
bleiben, wird ebensowenig „für voll“ genommen wie die Geld- 
schöpfung der nichtöffentlichen Wirtschaftspersonen mittels örtlich, 
zeitlich oder sonstwie gebundener Schuldverschreibungen. Zwischen 
dem Vollgeld und den Surrogaten bestehen ebenso wie zwischen 
den Rechnungseinheiten der verschiedenen Nationalwirtschaften 
ader zwischen Münz- und Papiergeld auch desselben Staates in 
KrisenzeitenQualitätsunterschiede: ungleiche Kaufkraft gleicher 
Beträge, die der Besitzer des „schlechteren“ Geldes durch ein A uf- 
geld ausgleichen muß. Es bilden sich namentlich im Weltverkehr 
regelrechte Marktpreise sowohl für das Geld (Valutakurse) wie 
für seine Surrogate (Diskontsatz), ein Zeichen, daß das Geld noch 
keineswegs überall und stets als Geld behandelt wird, sondern 
vielfach auch im Marktverkehr noch den historischen Waren- 
charakter beibehalten hat. Aus all diesen Mängeln des Geldes, 
lie sich tatsächlich vorfinden — im Widerspruch mit seinem 
reinen Wesen —, aus dem tatsächlichen Mißbrauch, den man 
mit dem Gelde treibt, erklären sich vornehmlich die Bestrebungen, 
welche auf seine Beseitigung abzielen.
	        
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