fullscreen: Neuere Zeit (Abt. 2)

590 Einundzwanzigstes Buch. Zweites Kapitel. vtt n 
dem Kaiser unter Belastung mit dem holländischen Barriere— 
traktat zugefallen waren: eine Reihe der wichtigsten belgischen 
Städte, so Namur, Doornick, Veurne, Ypern und das Fort 
von Knocke, nördlich von Blankenberghe, sollten durch Truppen 
der Generalstaaten gegen französischen Überfall gesichert werden. 
Es waren Bestimmungen, die natürlich zu fortwährenden 
Reibungen zwischen den Niederlanden und der habsburgischen 
Herrschaft führten. Beinahe unerträglich aber wurde diese Lage 
für den Kaiser dadurch, daß die Holländer zugleich die belgischen 
Lande durch eine übermütig feindliche Zollpolitik schädigten. 
Dem suchte er nun dadurch entgegenzutreten, daß er den seit 
Antwerpens Fall vernachlässigten großen Handel des Landes 
von neuem entwickelte: und in diesem Punkte verbanden sich 
dann seine zunächst mehr belgischen Sorgen mit der allgemeinen 
Handelspolitik seiner Staaten überhaupt. Nachdem schon vorher 
englische und einheimische Kaufleute der südlichen Niederlande 
von Ostende aus, dessen Hafen sich für diese Zwecke sehr wohl 
eignete, einen direkten Verkehr mit Ostindien angeknüpft hatten, 
erteilte ihnen der Kaiser jetzt, im Jahre 1715, die Erlaubnis, 
unter seiner Flagge zu fahren; und der Handel nahm sichtlich 
zu, obgleich ihn die Holländer, unter Behandlung der belgischen 
Schiffe als Freibeuter, zu unterdrücken suchten. Aber gerade 
dieser gänzlich illoyale Eingriff der Holländer wurde dem Kaiser 
zum Anlaß, seine Pläne nun wiederum weiter zu entwickeln. 
Im Jahre 1723 wurde unter seinem Schutze und unter regster 
Beteiligung der belgischen Kapitalisten eine neue ostendische 
Handelsgesellschaft begründet, die auf dreißig Jahre das für 
Belgien ausschließliche Recht erhielt, nach Ost- und Westindien 
und nach den Küsten Afrikas diesseits und jenseits des Kaps 
der guten Hoffnung Handel zu treiben, und der zu diesem 
Zwecke eine im hohen Grade freie Verfassung und das Recht 
verliehen wurde, Wappen und Flagge des Kaisers zu führen. 
Es war ein erster Schritt auf der Bahn zur Entwicklung 
einer wehrhaften Seemacht, und er schien durchaus zu ge— 
lingen; in Ostindien wurden blühende Faktoreien angelegt, 
und der Kurs der Gesellschaftsaktien — das Kapital betrug
	        
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