fullscreen: Deutsche Geschichte (Bd. 5, Hälfte 2)

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Sechzehntes Buch. Erstes Kapitel. 
ringerungen zur Verhinderung der Geldausfuhr vorzunehmen!. 
Schon um 1576 begann man über Beschneidung von Schrot 
und Korn zu klagen, und 1609 wandte sich der Wirtschafts— 
theoretiker Obrecht dagegen aufs schärfste. Da aber mit 
diesem Vorgehen für die Münzherren zugleich ein starker Gewinn 
verbunden war, so überwogen die fiskalischen Gesichtspunkte 
alle etwa auftauchenden volkswirtschaftlichen Bedenken. Es kam zu 
einem allgemeinen Ruin des Münzwesens; jeder Reichsstand 
münzte minderwertig aus — je kleiner er war, um so mehr; und 
schon wurden Kesselschmiede und Schlosser als Münzmeister 
eingestellt. 
Jetzt bedurfte es, unter immer stärkerem Abflusse des guten 
alten Geldes, nur noch der Furcht vor kriegerischen Ereignissen 
oder gar des Eintretens solcher, und eine schwere Krisis war 
unvermeidlich. Dieser Augenblick kam nach verhältnismäßig 
friedensseligen Jahren erst spät, im Jahre 1618. Um so 
furchtbarer war die Wirkung. Jetzt zogen die Kapitalisten ihr 
letztes Geld aus dem Verkehr zurück, gutes Geld war kaum 
noch zu haben, und die Preise stiegen bedrohlich. 
Diese kritische Lage machten sich nun die in ihrem Ge— 
wissen inzwischen unsicher gewordenen Munzherren erst recht zu 
nutze. Sie begannen dem Bedürfnis nach Geld durch eine fast un⸗ 
glaubliche Schlecht- und Falschmünzung zu Hilfe zu kommen; 
in zahlreichen Münzstätten ließen sie schließlich Silbermünzen 
aus Kupfer, Messing, ja Glockenspeise ausbringen. Der Kaiser, 
Ferdinand II. ging damit billigerweise voran. Allein die Wiener 
Juden, die die leichte Münze in den Verkehr brachten, zahlten 
ihm wöchentlich 19 000 Gulden; das mährische und böhmische 
Münzwesen brachte ihm in anderthalb Jahren 6 Millionen Gulden 
ein. Vor allem aber war der Wahnwitz in Mitteldeutschland 
und Niedersachsen, besonders Braunschweig, zu Hause, während 
die Gebiete, denen ein leidlicher Handel noch die erreichte Höhe 
der Geldwirtschaft ziemlich aufrecht zu erhalten gestattete, am 
wenigsten litten, so der Niederrhein, die Hansestädte und die Ost— 
Sully, Mémoires C. XIII.
	        
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