Full text : Die Kaufkraft des Geldes

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VII.  Kapitel.

des  sechzehnten  Jahrhunderts  darlegte,  dieser  Tendenz  den  Namen  „das
Greshamsche  Gesetz“  (Gresham’s  Law).  Die  Tendenz  scheint  tatsächlich
sogar  von  den  alten  Griechen  erkannt  worden  zu  sein,  denn  sie  wird  in  den
„Fröschen“  von  Aristophanes  erwähnt 1 ):
„Häufig  will  mir’s  scheinen  daß  bei  uns  daheim  so,  wie  im  Feld,
In  betreff  der  Gentlemen  unter  uns  sich’s  so  verhält,
Wie  mit  unsrer  alten  Münze  und  dem  neuen  goldnen  Geld.
Nämlich  jene  nicht,  die  wahrlich  weder  falsch  ist  noch  zu  leicht.
Sondern  unter  allen  Münzen  stets  die  beste,  wie  mir  däucht,
Und  als  einzig  vollgeprägte  und  bewährte  im  Metall,
Geltung  hat  bei  allen  Griechen  und  Barbaren  überall,
Diese  nicht  mehr  braucht  ihr,  sondern  jene  gleißnerische  Bronze
Jenen  ärgsten  Schlag  von  Münzen,  erst  seit  gestern  aus  der  Bonze.“
Das  Gresham-  oder  Oresmesche  Gesetz  wird  gewöhnlich  in  der
Form  von:  „Schlechtes  Geld  vertreibt  gutes  Geld“  ausgedrückt,  denn
es  ist  gewöhnlich  beobachtet  worden,  daß  das  abgenützte,  entstellte,
untergewichtige,  gekippte,  gewippte  („sweated“)  sowie  auf  andere
Weise  verschlechterte  Geld  die  vollwichtigen,  neu  gemünzten  Stücke
vertrieben  hat.  Diese  Formel  trifft  jedoch  nicht  völlig  zu.  Es  ist
nicht  wahr,  daß  „schlechte“  Münzen,  wie  abgenützte,  verbogene,  verunstaltete ­
  oder  selbst  gekippte  Münzen,  anderes  Geld  gerade  deshalb
vertreiben,  weil  sie  sich  in  abgenütztem,  verbogenem  oder  gekipptem
Zustande  befinden.  Korrekt  formuliert  lautet  das  Gesetz  einfach:  Das
billige  Geld  vertreibt  das  teure.  Der  Grund,  daß  von  zwei  Geldarten  das
billigere  die  Oberhand  gewinnt,  liegt  darin,  daß  die  Wahl  zwischen  den  Geldsorten ­
  vorwiegend  bei  dem  liegt,  der  das  Geld  ausgibt,  nicht  bei  dem,  der  es
empfängt.  Jemand  der  die  Wahl  hat,  seine  Schulden  in  der  einen  oder
anderen  von  zwei  Geldarten  zu  bezahlen,  wird  ökonomischerweise  hierzu
das  billigere  der  beiden  benutzen.  Wenn  die  Initiative  und  die  Wahl  in  der
Hauptsache  bei  der  Person  läge,  die  das  Geld  empfängt,  so  würde  der  umgekehrte ­
  Fall  eintreten.  Das  teurere  oder  „gute“  Geld  würde  dann  das
billigere  oder  „schlechte“  Geld  vertreiben.
Was  wird  nun  aus  dem  teureren  Gelde  ?  Es  kann  thesauriert  werden,
in  den  Schmelztiegel  oder  ins  Ausland  gehen,  —  thesauriert  und  geschmolzen
des  Gewinnes  halber  und  ins  Ausland  gesandt,  weil  beim  Auslandshandel
der  Ausländer,  der  das  Geld  empfängt,  und  nicht  wir,  die  es  geben,  darüber
entscheiden,  welche  Art  Geld  er  akzeptiert.  Er  wird  nur  das  beste  nehmen,
denn  er  ist  durch  unsere  Währungsgesetzgebung  nicht  gebunden.

D  V.  718—732,  Übersetzung  von  Joh.  Gust.  Droysen.
            
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