Full text: Die Kaufkraft des Geldes

Einwirkung der Geldquantität und anderer Faktoren auf die Kaufkraft usw. 143 
Verkehrsgleichung bestimmt nur das letztere (das Preisniveau), und nur das 
letztere ist Gegenstand dieses Buches. In die Diskussion über Preisniveaus 
die Prinzipien hineinzubringen, die die einzelnen Preise in ihrer gegenseitigen 
Beziehung bestimmen, würde den Leser nicht fördern, sondern nur aufhalten. 
Es ist erstaunlich, mit welcher Beharrlichkeit so viele an der irrigen Idee 
festhalten, daß ein individueller Preis, wenngleich er in Geld ausgedrückt 
ist, ganz und gar ohne Bezug auf Geld bestimmt werden könne. Andere 
erkennen minder vorurteilsvoll, aber nicht weniger konfus, zwar die 
Notwendigkeit an, die Geldquantität in die Ursachen der Feststellung der 
Preise einzuschließen, werfen sie aber in sorglosem Eklektizismus 
mit einer buntgemischten Menge anderer auf die Preise einwirkender Ein 
flüsse ohne Rücksicht auf ihre gegenseitigen Beziehungen einfach durch 
einander. Es sollte unbedingt anerkannt werden, daß Preisniveaus unab 
hängig von individuellen Preisen studiert werden müssen. 
Die Berechtigung, das Studium der Preisniveaus von dem der Preise 
getrennt zu halten, erkennt man sofort klar und deutlich, wenn man sieht, 
daß die einzelnen Preise durch Angebot und Nachfrage, Geldproduktions 
kosten usw. nicht vollkommen bestimmt werden können, daß man vielmehr 
durch eine Hintertüre das Preisniveau hineinbringen muß. Wir können die 
Tatsache gar nicht genug hervorheben, daß die Preise von „Angebot und 
Nachfrage“ oder den in Geld ausgedrückten „Produktionskosten“ der Güter 
nicht vollständig bestimmt werden und bestimmt werden können. In jedem 
vollständig ausgedrückten Preissatze ist das Geld bereits inbegriffen. Immer 
wird die Voraussetzung eines allgemeinen Preisniveaus irgendwie voraus 
gesetzt. Schriftsteller wie A. D. Wells 1 ) haben ernsthaft die Erklärung 
einer allgemeinen Veränderung der Preisniveaus in den individuellen 
Preisveränderungen verschiedener getrennt betrachteter Waren gesucht. 
Ihre Beweisführung geht zumeist nicht weiter, als einen Preissatz durch 
andere Preissätze erklärend auszudrücken. Wenn wir versuchen, den Geld 
preis eines fertigen Produktes durch GeMpreissätze der Rohmaterialien 
dieses Produktes und andere GeMkosten von Produktionspreisen zu er 
klären, so ist es klar, daß das Problem nur verschoben wird. Wir haben 
dann immer noch die Preise zu erklären, wie sie vorher waren. In elemen 
taren Lehrbüchern wird großer Nachdruck auf die Tatsache gelegt, daß 
»Angebot und Nachfrage“ unvollständige Bezeichnungen sind, und daß 
es zur Bedeutung derselben notwendig ist, jeder den Zusatz „zu einem 
gegebenen Preise“ beizufügen. Es muß aber auch Nachdruck darauf gelegt 
G Recent Economic Changes, New York (Appleton), 1890, IV. Kapitel.
	        
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