Full text : Die Kaufkraft des Geldes

Einwirkung  der  Geldquantität  und  anderer  Faktoren  auf  die  Kaufkraft  usw.  445
um  daran  die  Gestalten  im  Vordergründe  zu  messen.  Wenn  das  allgemeine
Niveau  sich  verändert,  so  verändern  sich  folglich  die  Angebot-  und  Nachfragekurven ­
  der  in  Betracht  kommenden  einzelnen  Ware  dementsprechend.
Wenn  die  Kaufkraft  des  Dollars  auf  die  Hälfte  ihrer  früheren  Ziffer  reduziert
wird,  so  verdoppelt  sich  die  Höhe  dieser  Kurven,  denn  jedermann  gibt  oder
empfängt  dann  für  ein  gegebenes  Quantum  der  Ware  das  Doppelte  des  früheren
Geldes.  Wenn  durch  Einwirkung  spezieller  Ursachen  auf  eine  spezielle
Ware  die  Angebot-  und  Nachfragekurven  dieser  Ware  und  ihr  Schnittpunkt
erhöht  oder  erniedrigt  werden,  so  müssen  sich  die  Angebot-  und  Nachfragekurven ­
  anderer  Güter  in  der  entgegengesetzten  Richtung  verändern.  Das
heißt,  wenn  eine  Ware  im  Preise  steigt  (ohne  irgendeine  Veränderung  ihrer
vorhandenen  Menge  oder  anderer  gekaufter  und  verkaufter  Gegenstände
und  ohne  jedwede  Veränderung  des  Bestandes  an  Umlaufsmitteln  oder  der
Umlaufsgeschwindigkeit),  dann  müssen  andere  Waren  im  Preise  fallen.
Das  Geld,  das  für  diese  Ware  mehr  ausgegeben  wird,  muß  von  anderen  Einkäufen ­
  abgezogen  werden.  Mit  anderen  Worten:  Die  Wellenberge  in  der
See  der  Preise  haben  Wellentäler.  Dies  ist  aus  der  Verkehrsgleichung  zu
ersehen.  Wenn  wir  die  Geldquantität  und  ihre  Umlaufsgeschwindigkeit  als
unverändert  annehmen,  bleibt  die  linke  Seite  der  Gleichung  dieselbe  und
die  rechte  Seite  muß  daher  ebenfalls  unverändert  bleiben.  Infolgedessen
muß  jede  Zunahme  eines  ihrer  vielen  Glieder,  die  durch  eine  Erhöhung  eines
individuellen  Preises  veranlaßt  worden  ist,  auf  Kosten  der  übrigen  Glieder
erfolgen.
Es  ist  natürlich  richtig,  daß  ein  Sinken  des  Preises  einer  einzelnen  Ware
gewöhnlich  von  einem  Anwachsen  ihrer  ausgetauschten  Menge  begleitet
ist,  so  daß  das  Produkt  beider  nicht  notwendig  fällt,  sondern  womöglich
sogar  steigt,  wenn  nämlich  die  ausgetauschte  Menge  genügend  steigt.  Da
die  rechte  Seite  der  Gleichung  dieselbe  bleibt,  bedeutet  die  Wirkung  der
Zunahme  des  einen  oder  anderen  Gliedes  in  diesem  Falle  notwendigerweise
eine  Abnahme  in  den  anderen,  und  die  übrigen  Glieder  der  rechten  Seite
müssen  bis  zu  einem  gewissen  Grade  abnehmen.  Das  Ergebnis  kann  dann
ein  allgemeines  oder  sogar  ein  universelles  Fallen  der  Preise  sein.  Doch
selbst  in  diesem  Falle  steht  das  Sinken  des  Preisniveaus  mit  dem  Sinken
des  Preises  der  besonderen  Ware  nicht  direkt  in  Verbindung,  sondern  es  ist
der  Zunahme  der  ausgetauschten  Menge  dieser  Ware  zuzuschreiben 1 ).
Der  rückwirkende  Einfluß  des  Preises  einer  Ware  auf  die  Preise  anderer
Waren  darf  niemals  aus  dem  Auge  gelassen  werden.  Manche  Verwirrung
Q  Der  weiteren  Erläuterung  dient  §  2  des  Anhanges  zu  diesem  Kapitel  VIII.
Fisher,  Kaufkraft  des  Geldes.  IQ
            
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