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X. Kapitel.
Wenn es sich um das Einkommen von Arbeitern handelt, haben wir es
mit Preisindexnummern von Gütern zu tun, die in Arbeiterbudgets auf-
treten und mit den Indexnummern der Quantitäten dieser Güter. Die erste
zeigt die Lebenskosten eines Arbeiters oder die Kaufkraft des Dollars dieses
Arbeiters. Die zweite gibt seinen „Reallohn“ oder seine „Konsumtion“
an. In diesem Falle wird nicht ein Vergleich von Vermögensbeständen zu
zwei gegebenen Zeitpunkten, sondern ein Vergleich von Güterströmen
während zweier Zeitperioden bezweckt. Eine Methode zur Erlangung einer
Indexnummer wirklicher Löhne besteht darin, die Nominal- oder Geld
löhne unter Benützung der Indexnummer der Preise solcher Güter zu korri
gieren, für welche Löhne ausgegeben werden. Wenn also die Geldlöhne
für 1908 das doppelte derer für 1900 sind, die Geldpreise der Bedürfnisse und
Lebensannehmlichkeiten sich aber ebenfalls verdoppelt haben, so bleiben
die Reallöhne unverändert.
Es ist klar, daß die in dem Falle der Quantitäten und der Preise der
Arbeiterlebenskosten benützten Indexnummern nicht dieselben sind, wie
die für die Kapitalberechnungen gebrauchten Indexnummern. Jedes ein
zelne Gut sollte in der Indexnummer die Wichtigkeit haben, die von deren
Bedeutsamkeit in den Arbeiterbudgets abhängt. In diesem Falle bedeuten
die Güter Ströme, während in dem des Kapitals die der Betrachtung unter
zogenen Güter Vorräte waren. Bei einer Vergleichung von Kapital müssen
sich die Indexnummern auf das Kapital und bei einer solchen des Ein
kommens müssen sie sich auf das Einkommen beziehen 1 ).
§3.
Der wichtigste Zweck der Indexnummern besteht vielleicht in ihrer
Anwendung als Basis für Darlehenskontrakte. Es ist wünschenswert, so-
Q Sir George Shuckburgh Evelyn, Bart., F. R. S. und A. S. machte im Jahre 1798
in einem Artikel in den Philosophical Tramactions of the Royal Society of London,
Bd. LXXXVIII, S. 133 bis 182, betitelt „An Account of Some Endeavors to Ascertain a
Standard of Weight and Measure‘ l einen der ersten Versuche, eine Reihe von Index-
nummem, die die allgemeine Preisveränderung kennzeichnen sollten, zu konstruieren.
Bischof Wm. Fleetwood warf im Jahre 1707 im Chronicon Preciosum-, or an Account
of English Money, the Price of Com and Other Commodities for the Last 600 Years, ch. VI.
die Frage auf, ob der Inhaber eines in den Jahren 1440 und 1460 gestifteten Stipendiums,
das nur Personen offen stand, die einen Grundbesitz von geringerem Werte als £ 6 pro
Jahr haben, mit Recht beschwören kann, daß sein Eigentum weniger als £ö beträgt, wenn
er £ 6 besitzt, da jedenfalls der Geldwert mittlerweile bedeutend im Werte gesunken ist.
Der Gedanke, eine Indexnummer oder eine Maßtafel des Geldwertes zu be
nützen, wurde später von Joseph Lowe in The Preseyit State of England in regard to Agri-