Full text : Die Kaufkraft des Geldes

168

X.  Kapitel.

Wenn  es  sich  um  das  Einkommen  von  Arbeitern  handelt,  haben  wir  es
mit  Preisindexnummern  von  Gütern  zu  tun,  die  in  Arbeiterbudgets  auftreten
  und  mit  den  Indexnummern  der  Quantitäten  dieser  Güter.  Die  erste
zeigt  die  Lebenskosten  eines  Arbeiters  oder  die  Kaufkraft  des  Dollars  dieses
Arbeiters.  Die  zweite  gibt  seinen  „Reallohn“  oder  seine  „Konsumtion“
an.  In  diesem  Falle  wird  nicht  ein  Vergleich  von  Vermögensbeständen  zu
zwei  gegebenen  Zeitpunkten,  sondern  ein  Vergleich  von  Güterströmen
während  zweier  Zeitperioden  bezweckt.  Eine  Methode  zur  Erlangung  einer
Indexnummer  wirklicher  Löhne  besteht  darin,  die  Nominal-  oder  Geldlöhne ­
  unter  Benützung  der  Indexnummer  der  Preise  solcher  Güter  zu  korrigieren, ­
  für  welche  Löhne  ausgegeben  werden.  Wenn  also  die  Geldlöhne
für  1908  das  doppelte  derer  für  1900  sind,  die  Geldpreise  der  Bedürfnisse  und
Lebensannehmlichkeiten  sich  aber  ebenfalls  verdoppelt  haben,  so  bleiben
die  Reallöhne  unverändert.
Es  ist  klar,  daß  die  in  dem  Falle  der  Quantitäten  und  der  Preise  der
Arbeiterlebenskosten  benützten  Indexnummern  nicht  dieselben  sind,  wie
die  für  die  Kapitalberechnungen  gebrauchten  Indexnummern.  Jedes  einzelne ­
  Gut  sollte  in  der  Indexnummer  die  Wichtigkeit  haben,  die  von  deren
Bedeutsamkeit  in  den  Arbeiterbudgets  abhängt.  In  diesem  Falle  bedeuten
die  Güter  Ströme,  während  in  dem  des  Kapitals  die  der  Betrachtung  unterzogenen ­
  Güter  Vorräte  waren.  Bei  einer  Vergleichung  von  Kapital  müssen
sich  die  Indexnummern  auf  das  Kapital  und  bei  einer  solchen  des  Einkommens ­
  müssen  sie  sich  auf  das  Einkommen  beziehen  1 ).
§3.
Der  wichtigste  Zweck  der  Indexnummern  besteht  vielleicht  in  ihrer
Anwendung  als  Basis  für  Darlehenskontrakte.  Es  ist  wünschenswert,  so-Q
  Sir  George  Shuckburgh  Evelyn,  Bart.,  F.  R.  S.  und  A.  S.  machte  im  Jahre  1798
in  einem  Artikel  in  den  Philosophical  Tramactions  of  the  Royal  Society  of  London,
Bd.  LXXXVIII,  S.  133  bis  182,  betitelt  „An  Account  of  Some  Endeavors  to  Ascertain  a
Standard  of  Weight  and  Measure‘ l  einen  der  ersten  Versuche,  eine  Reihe  von  Indexnummem,
  die  die  allgemeine  Preisveränderung  kennzeichnen  sollten,  zu  konstruieren.
Bischof  Wm.  Fleetwood  warf  im  Jahre  1707  im  Chronicon  Preciosum-,  or  an  Account
of  English  Money,  the  Price  of  Com  and  Other  Commodities  for  the  Last  600  Years,  ch.  VI.
die  Frage  auf,  ob  der  Inhaber  eines  in  den  Jahren  1440  und  1460  gestifteten  Stipendiums,
das  nur  Personen  offen  stand,  die  einen  Grundbesitz  von  geringerem  Werte  als  £  6  pro
Jahr  haben,  mit  Recht  beschwören  kann,  daß  sein  Eigentum  weniger  als  £ö  beträgt,  wenn
er  £  6  besitzt,  da  jedenfalls  der  Geldwert  mittlerweile  bedeutend  im  Werte  gesunken  ist.
Der  Gedanke,  eine  Indexnummer  oder  eine  Maßtafel  des  Geldwertes  zu  benützen, ­
  wurde  später  von  Joseph  Lowe  in  The  Preseyit  State  of  England  in  regard  to  Agri-
            
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