Full text : Die Kaufkraft des Geldes

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XI.  Kapitel.

Eine  ausführlichere  Erörterung  der  Verhältnisse  in  den  Vereinigten
Staaten  während  der  Jahre  1896—1909  folgt  im  nächsten  Kapitel.
§5.
Die  Geschichte  der  Preise  ist  im  wesentlichen  die  Geschichte  eines  Wettlaufes ­
  zwischen  der  Zunahme  der  Austauschmedia  (0  und  G')  und  der  Zunahme ­
  des  Handels  (H)  gewesen,  während  sich  (nach  unserer  Annahme)
die  Umlaufsgeschwindigkeiten  in  viel  geringerem  Maße  veränderten.  Da
uns  über  die  Veränderungen  in  der  Entwicklung  des  Handels  nur  wenig  bekannt ­
  ist,  wollen  wir  versuchsweise  ein  beständiges  Wachsen  annehmen  und
den  Variationen  der  Zirkulationsmittel  unsere  Hauptaufmerksamkeit  widmen. ­
  Zuweilen  wurde  der  Handel  von  den  Zirkulationsmitteln  überflügelt,
was  ein  Steigen  der  Preise  zur  Folge  hatte.  Zweifellos  ereignete  sich  dies
in  den  unter  1,  3  und  5  aufgeführten  der  vorher  erörterten  fünf  Zeitperioden.
Andrerseits  blieben  zuweilen  die  Zirkulationsmittel  hinter  dem  Handel
zurück,  worauf  die  Preise  fielen.  Dies  muß  in  den  unter  Nummer  2  und  4
angeführten  Perioden  der  Fall  gewesen  sein.
Es  ist  von  Bedeutung,  an  dieser  Stelle  Nachdruck  auf  die  in  einem
vorhergehenden  Kapitel  erwähnte  Tatsache  zu  legen,  daß  nämlich  der  Zusammenbruch ­
  des  Bimetallismus  und  die  sich  daraus  ergebende  Spaltung
der  Welt  in  einen  Gold-  und  einen  Silberabteil  jeden  der  beiden  Teile  in
bezug  auf  die  Schwankungen  der  Produktion  der  Edelmetalle  empfindlicher
als  zuvor  gemacht  hat.  Die  gegenwärtige  Goldflut  kann  sich  nur  über
den  Goldabteil  der  Welt  und  nicht  über  den  ganzen  Erdkreis  ausbreiten,
wie  dies  tatsächlich  unmittelbar  nach  dem  Jahre  1849  mit  dem  Kalifornischen
Golde  der  Fall  war.  Im  bimetallistischen  Frankreich  wurde  zu  jener  Zeit
das  Silber  durch  Gold  verdrängt  und  nach  dem  Oriente  abgeleitet.  Der
Orient  gewährte  auf  diese  Weise  den  bimetallistischen  Ländern  Unterstützung, ­
  indem  er  das  Silber  aufnahm  und  für  das  Gold  Baum  schaffte;
dadurch  wurde  wiederum  durch  die  bimetallistischen  Länder  den  Goldländem
  Erleichterung  verschafft.
Seit  dem  Jahre  1873  ist  also  das  Goldreservoir  von  Europa  und  Amerika
von  dem  Silberreservoir  des  Ostens  getrennt  worden,  woraus  sich  ergab,
daß  das  Niveau  des  europäischen  und  amerikanischen  Keservoirs  gegen  einen
Mangel  wie  gegen  einen  Überfluß  an  Gold  empfindlicher  wurde.  Das  Resultat
war,  daß  sowohl  das  Fallen  der  Preise  von  1873  bis  1896  als  auch  ihr  gegenwärtiges ­
  Steigen  verschärft  wurde,  obgleich  die  spätere  Wirkung  durch
die  vorhergehende  Ausdehnung  der  Goldwährung  abgeschwächt  ist.
            
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