Full text: Die Kaufkraft des Geldes

Statistischer Nachweis. Allgemeiner historischer Rückblick. 
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§ 6. 
Voraussichtlich werden auch künftig die Preise weiter steigen, und zwar 
wegen der andauernden Zunahme der Goldzufuhr, denn heutzutage wird in 
einem Jahre soviel Gold produziert, als während des ganzen 16. Jahrhunderts 
gewonnen wurde. 
Eine äußerst sorgfältige Prüfung der gegenwärtigen Verhältnisse im 
Goldbergbau ergibt, daß wir mit Bestimmtheit auf eine Fortdauer der 
Goldinflation während einer Generation oder noch länger rechnen können. 
„Wenigstens für dreißig Jahre haben wir eine Ausbeute in Gold zu er 
warten, die höher oder zum mindesten ebenso hoch ist wie die der letzten 
Jahre 1 ).“ Dieses Gold wird aus den Vereinigten Staaten, aus Alaska, 
Mexiko, Transvaal und anderen Teilen Afrikas und Australiens sowie später 
aus Kolumbien, Bolivien, Chile, den Ural-Provinzen, Sibirien und Korea 
kommen. Man bedenke, daß es nicht die jährliche Produktion sondern die 
Vorräte an Gold sind, die auf das Preisniveau einwirken, und daß diese höchst 
wahrscheinlich noch während vieler Jahre anwachsen werden, nachdem die 
Produktion bereits abzunehmen begonnen hat—tatsächlich solange, wie sich 
die Produktion über der Konsumtion hält. 
Das Anschwellen eines Sees hält noch lange an, nachdem das Hoch 
wasser, durch das er gespeist wird, sein Maximum erreicht hat. So wird 
die Zunahme der Goldvorräte noch fortdauern, wenn die jährliche Goldpro 
duktion schon lange zuzunehmen aufgehört hat. Ob das Steigen der Preise 
andauem wird oder nicht, hängt davon ab, ob die Zunahme des Goldes und 
der auf Gold gegründeten Zirkulationsmittel das Anwachsen des Handels 
fortgesetzt übersteigt. Es ist das Verhältnis des Goldes zum Handel, das 
hauptsächlich auf die Preise einwirkt. Selbst wenn die Vorräte an Gold 
während vieler Jahre zunehmen sollten, ist es möglich, daß ein Steigen der 
Preise nicht stattfindet, denn der Handel kann noch rascher zunehmen. 
Wenn die jährlichen Goldzunahmen zu den Gesamtvorräten sich gleich 
bleiben und infolgedessen die Vorräte stetig zunehmen, so wird das Ver 
hältnis der sich gleichbleibenden Jahreszunahmen zu den zunehmenden 
Vorräten offenbar abnehmen, wodurch die Zunahme in den Vorräten einen 
andauernd abnehmenden Einfluß auf das Steigen der Preise hat i) 2 ). 
i) L. de Launay, The World's Gold, Englische Übersetzung, New York (Putnam), 
1908, S. 227. 
*) Vgl. Jevons, Investigations in Currency and Finance, London (Macmillan), 1884, 
S- 64, 65 und 66; ebenso Harrison H. Brace, Gold Production and Future Prices, New York 
(Bankers’ Publishing Co.), 1910, S. 113.
	        
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