Full text: Die Kaufkraft des Geldes

204 XI. Kapitel. 
herab und die Preise steigen infolgedessen (soweit sie noch in Papier aus- 
gedrückt sind) ins Maßlose. 
Wie sich die Situation auch immer gestalten mag, die Verkehrsgleichung 
bestätigt sich nach wie vor, obwohl sie an Bedeutung verliert, weil unter H, 
das tatsächlich den ganzen Handel umfassen sollte, nunmehr nur jener ver 
schwindende, noch mittelst Papiergeld durchzuführende Teil des Handels 
zu verstehen ist. 
Der Wert uneinlösbaren Papiergeldes ist daher äußerst prekär. Wenn 
es — aus irgendwelcher Ursache — einmal zu fallen begonnen hat, besteht 
die Gefahr eines weiteren Sinkens, und zwar nicht nur der stets bestehen 
den Versuchung wegen, zu weiteren Emissionen zu greifen, sondern auch 
infolge des steigenden Mißtrauens des Publikums gegen das Papiergeld, 
das früher oder später seinen Gebrauch einschränkt x ). In vielen Fällen 
gelingt es, dem nicht einlösbaren Papiergelde eine genügende Akzepta 
bilität zu bewahren, um ihm ein virtuelles Monopol als Austauschmedium 
zu sichern. 
Obwohl vom theoretischen Standpunkte nicht einlösbares Papiergeld 
die billigste und am leichtesten regulierbare Umlaufsmittelform sein mag, 
und obwohl es in gewissen Fällen während einer beträchtlichen Zeit ein 
stabiles Umlaufsmittel geblieben ist, so lehren die Erfahrungen der Ge 
schichte doch nachdrücklich, daß nicht einlösbares Papiergeld Währungs 
manöver, Geschäftsmißtrauen, spekulative Geschäftsverhältnisse und alle 
sich hieraus ergebenden Übelstände zur Folge hat. 
§8. 
Eine der ältesten Anwendungen des Papiergeldes ist die von John Law, 
der im Jahre 1716 in Frankreich eine Emissionsbank errichtete. Zwei Jahre 
später (4. Dezember 1718) wurde die Bank vom Staate übernommen. 
Schlaue Geschäftsleute erwarben sehr bald für Noten Bargeld und, ob 
gleich der Export von Metallgeld gesetzlich untersagt war, exportierten sie 
dieses insgeheim. Am 27. Mai 1720, also schon vier Jahre nach ihrer 
Gründung, stellte die Bank die Bareinlösung ein. Bis November genannten 
Jahres fiel das Papier auf ein Zehntel seines Nominalwertes und wurde 
sodann ganz wertlos. 
Klassisch ist die Geschichte der während der französischen Revolution 
1 ) Vgl. die Erwähnung dieses Einflusses auf die Entwertung im Bullion Report III.
	        
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