Full text : Die Kaufkraft des Geldes

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II.  Kapitel.

Andererseits  kann  sogar  das,  was  als  gesetzliches  Zahlungsmittel  erklärt
worden  ist,  durch  allgemeinen  Brauch  seines  praktischen  Geldcharakters  entkleidet ­
  werden.  Während  des  Bürgerkrieges  versuchte  die  amerikanische
Regierung  Fünfzigdollarnoten,  die  7,3  %  Zinsen  eintragen  sollten,  in  Umlauf ­
  zu  setzen,  so  daß  die  Zinsen  den  sehr  leicht  ausrechenbaren  Betrag  eines
Cents  per  Tag  ergaben.  Es  gelang  jedoch  nicht,  den  Notenumlauf  zu  sichern.
Trotz  der  Anstrengungen,  ihren  Austausch  zu  erleichtern,  zog  man  vor,  sie
der  Zinsen  wegen  zu  behalten 1 ).  Geld  trägt  nie  Interessen,  außer  in  dem
Sinne,  daß  sein  Gebrauch  im  Austauschprozesse  Vorteil  bringt.  Diese  Bequemlichkeit ­
  ist  die  spezielle  Dienstleistung  des  Geldes,  und  dies  macht  den
scheinbaren  Zinsverlust  wett,  den  die  Verwahrung  des  Geldes  in  unserer
Tasche  an  Stelle  seiner  Anlage  nach  sich  zieht.
Es  gibt  verschiedene  Stufen  der  Austauschbarkeit,  die  überschritten
werden  müssen,  bevor  wir  zum  wirklichen  Gelde  gelangen.  Unter  allen
Gattungen  von  Gütern  ist  Grundbesitz  vielleicht  am  wenigsten  austauschbar.
Nur  wenn  zufällig  gerade  die  Person  gefunden  wird,  die  das  Grundstück
benötigt,  kann  es  ausgetauscht  werden.  Eine  Hypothek  auf  Grund  und
Boden  ist  um  einen  Grad  leichter  auswechselbar.  Doch  selbst  eine  Hypothek ­
  ist  schwerer  austauschbar  als  ein  bekanntes  und  sicheres  Privateffekt
und  ein  solches  Wertpapier  weniger  leicht  austauschbar  als  ein  Staatspapier.
Es  kommt  tatsächlich  häufig  vor,  daß  Personen  nur  zu  vorübergehender
Kapitalsanlage  Staatspapiere  kaufen,  um  sie  wieder  zu  verkaufen,  sobald
höherverzinsliche  dauernde  Kapitalanlagen  erhältlich  sind.  Ein  Wechsel
ist  um  einen  Grad  leichter  austauschbar  als  ein  Staatspapier;  eine  Tratte
auf  Sicht  ist  um  einen  Grad  leichter  umzusetzen  als  ein  Wechsel,  während
ein  Scheck  beinahe  ebenso  austauschbar  ist  als  Geld  selbst.  Jedoch  keines
dieser  Papiere  ist  wirkliches  Geld,  denn  keines  derselben  gelangt  zur  „allgemeinen ­
  Annahme“.
Wenn  wir  unsere  Aufmerksamkeit  auf  gegenwärtige  und  normale  Verhältnisse, ­
  sowie  auf  die  Tauschmittel  konzentrieren,  die  entweder  Geld  oder
annähernd  Geld  sind,  so  werden  wir  finden,  daß  das  Geld  selbst  zu  einer
allgemeinen  Klasse  von  Eigentumsrechten  gehört,  die  wir  „Umlaufsmittel“
(currency)  oder  „Tauschmittel“  (circulating  media)  nennen  wollen.  Die
Umlaufsmittel  umfassen  jedweden  Typus  von  Eigentumsrechten,  die,  gleichviel ­
  ob  allgemein  annehmbar  oder  nicht,  in  ihrem  Hauptzweck  und  ihrem
Gebrauche  nach  faktisch  als  Tauschmittel  dienen.,  '
Man  unterscheidet  zwei  Klassen  dieser  Tauschmittel:  1.  Geld,  2.  Bank1 ­

 )  Vgl.  Jevons,  Money  and  the  Meehanism  of  Exchange,  S.  245.
            
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