Full text: Das Lebenswerk von Karl Marx

zuletzt ben großen Menschheitssorscher macht, habe ich schon gesagt. 
Nun — welche unerhörte Gewalt steckt in der Ausdrucksweise 
Marxens. Professorale Huzzelmännchen haben an seinem Stil 
herumgemäkelt. Und ganz gewiß enthält der viel Unarten, aber 
Unarten eines Sprachkünstlers ersten Ranges, die wir ihm nachsehen 
müssen, ebenso wie seine Derbheiten und seine schlechten Witze. Wenn 
Marx schreibt, so ist es, wie wenn ein Vulkan Feuer speit; da 
fliegen auch Asche und Steine und Schlamm mit aus dem Krater 
heraus. Wie durchglüht seine Sprache ist; wie sie sich dem Gegen 
stände anzupassen weiß; mit welcher Leidenschaftlichkeit, mit welcher 
Eindringlichkeit die Gedanken entwickelt werden; welches stürmende 
Drängen nach dem Ende einer Schlußreihe! Wie glitzem und gleißen 
die Bilder! Wie sprudelt und quillt das Tatsächliche hervor wie 
aus einem unerschöpflichen Borne! 
Wenn wir dagegen irgend eine Darstellung eines andern auch be 
deutenden Denkers halten, etwa die von Rodb ertus, mit dem ja Marx 
so oft verglichen wird und der viele der Marx'schen Gedankengänge 
vielleicht vor Marx gegangen ist. Wie armselig, wie nüchtern, wie 
dünn ist das alles! Als ob man Moses Mendelsohn gegen Fichte 
oder Hegel hielte oder die Kartons des Cornelius mit dem jüngsten 
Gericht Michelangelos in Parallele- stellte. 
Freilich —in Worten lassen sich die spezifisch künstlerischen Valeurs, 
die das Oeuvre von Marx so über alles Normalmaß emporheben 
ganz gewiß nicht voll zum Ausdruck bringen. Sie müssen selbst 
miterlebt, müssen empfunden, gefühlt, geschaut, geschmeckt werden. 
Wie auch das seltsam Dämonische, das in Marx steckt, der Hann, 
das Michelangeleske, das Titanenhafte in ihm. Wer kann am letzten 
Ende sagen, warum Michelangelo und Beethoven groß sind? So 
wird man auch von den großen Menschheilsforschem nicht alles aus-
	        
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