Viertes Kapitel.
Zerkall des Reiches.
Kaiser Friedrich J. hatte vergebens die Grundfesten des
Reiches noch einmal nach der monarchischen Seite hin sicherer
auszubauen versucht. In seinem Königtum allseitig eingeengt
bon der emporquellenden Macht der Fürsten, hatte er sich schon
mit dem Plan der Begründung einer staufischen Hausmacht
mnerhalb wie außerhalb Deutschlands getragen. Man darf
urteilen, daß er diese Absicht wie deren Folge, eine neue Be⸗
festigung der Königsgewalt, erreicht haben würde, hätten ihn
nicht die Kämpfe mit dem Papsttum immer wieder abgelenkt.
Anter diesen Einwirkungen jedoch mußte er auf die Schöpfung
eines staufischen Staates in der Lombardei verzichten — nur
finanziell blieb die Lombardei wichtig —, und brachte es auch
in Deutschland trotz immer wiederholter Versuche nicht zur ge—
schlossenen Beherrschung selbst nur des Südwestens.
Dementsprechend war die Stellung des deutschen Fürsten—
tums unter Friedrich schon sehr frei; der Kaiser wurde der
Fürsten nur noch Herr, indem er ihre Spaltung in Pfaffen—
und Laienfürsten zur Ausspielung der einen gegen die anderen
denutzte: eine Politik, die fortwährende Beunruhigungen der
jeimischen Entwickelung hervorrief. Auch war es Friedrich nicht
gelungen, gegenüber dieser Übermacht der Fürsten den empor—
trebenden Stand der Ministerialen völlig frei zu einem in