20
II. Kapitel.
leiten, so ist es hundertmal wichtiger, die Sätze über die Bildung der Preis
niveaus, die weniger selbstverständlich sind, und die in der Tat von den einen
vertrauensvoll angenommen, von anderen a limine abgewiesen werden, mit
Sorgfalt klarzulegen.
Bezeichnen wir den Gesamtgeldumlauf, d. h. den Geldbetrag, der in
einem bestimmten Gemeinwesen während eines bestimmten Jahres für
Güter ausgegeben wurde, mit A (Aufwand) und den Durchschnittsbetrag
des in dem Gemeinwesen während des Jahres in Umlauf befindlichen Geldes
mit G (Geld). Dann wird G der einfache arithmetische Durchschnitt der
Geldbeträge sein, die an aufeinanderfolgenden, durch einander gleiche
Intervalle von unendlich kurzer Dauer voneinander getrennten Zeitpunkten
vorhanden sind. Wenn wir die Jahresausgaben A durch den mittleren
Geldumlauf G dividieren, so erhalten wir die Durchschnittsrate des Geld-
Umsatzes in seinem Austausche für Güter, ^, das heißt, die Umlaufsgeschwin
digkeit des Geldes 1 ). Diese Geschwindigkeit soll mit U (Umlaufsgeschwindig-
keit) bezeichnet werden, so daß — U;A können wir somit durch GU
ausdrücken. In Worten: Der Gesamtumlauf des Geldes im Sinne der Geld
ausgabe ist gleich dem gesamten in Umlauf befindlichen Gelde multipliziert
mit seiner Umlaufs- oder Umschlagsgeschwindigkeit. A oder GU drücken
also die Geldseite der Verkehrsgleichung aus. Wenden wir uns nun der
Güterseite der Gleichung zu, so haben wir es hier mit den Preisen und mit
den Quantitäten der ausgetauschten Güter zu tun. Der Durchschnitts
verkaufspreis * 2 ) irgendeines besonderen Gutes, z. B. des von einem gegebenen
Gemeinwesen während eines bestimmten Jahres gekauften Brotes soll mit
f (Preis) und die gekaufte Gesamtquantität desselben mit Q (Quantität)
bezeichnet werden. In gleicher Weise wollen wir den Durchschnittspreis
eines anderen Gutes (sagen wir Kohle) mit p' und dessen gesamte ausge
tauschte Quantität mit Q' bezeichnen. Der Durchschnittspreis und die
Gesamtquantität eines dritten Gutes (Tuch) soll durch p" beziehungsweise
durch Q" ausgedrückt werden, und so weiter für zahllose andere ausge
tauschte Güter. Die Verkehrsgleichung kann in klarer Weise folgender
maßen dargestellt werden 3 ):
*) Zur Erörterung des Begriffes der Umlaufsgeschwindigkeit vgl. §§ 2, 4 und 5 des
Anhanges zu diesem (II.) Kapitel.
2 ) Dies ist ein, auf Grund der aus verschiedenen Anlässen gekauften Quantitäten,
für einen gegebenen Zeitabschnitt und für ein bestimmtes Land gewogener Durchschnitt.
Vgl. § 3 des Anhanges zu diesem (II.) Kapitel.
3 ) Eine algebraische Darstellung der Verkehrsgleichung ist von Simon Newcomb in