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Geldwertli auffassen und behandeln müsse. Er dachte sich
nicht etwa den Nahrungsverbrauch während der Arbeit und
dann die gewonnene Nahrungsmenge mit ihrem Ueberschuss
als die beispielsweise zu vergleichenden Grössen, sondern er
knüpfte seine Ueberlegungen sofort an die Gcldwerthc an, die
er als Verkaufsergebniss aller landwirthschaftlichoii Erzeugnisse
bei dem Uebergang aus der ersten Hand voraussetzte. Auf
diese Weise operirt er in den Colonnen seines Tableau mit
einigen Milliarden. Die Leichtigkeit, mit welcher er über diesen
Cardinalpunkt der Werthbestimmung hin weggleitet, ist für seine
Methode kennzeichnend. Doch wollen wir nicht vergessen,
dass bis zu seiner Zeit alle Vorstellungen über den Begriff des
Werthes nicht nur höchst unentwickelt waren, sondern auch
verworren durcheinanderliefen. Sie waren nichts weiter als
oberflächliche Reflexionen, wie man sie zu einem grossen Theil
auch schon im Alterthum aufweisen kann.
Hätte Quesnay den Weg einer wirklich natürlichen Be
trachtung eingcschlagen, und hätte er sich nicht blos von der
Rücksicht auf die edlen Metalle und die Geldmenge, sondern
auch von derjenigen auf die Geldwerthe frei gemacht, so würde
er die colossalen Irrthümer, zu denen sein Productivitätsbegriff
führte, sicherlich vermieden haben. So aber rechnete er mit
lauter Werthsummen und dachte sich das Nettoproduct eben
falls von vornherein als einen Geldworth. Er gewann dasselbe
indem er die Auslagen in Abzug brachte und hauptsächlich an
denjenigen Werth dachte, der dem Grundeigenthümer als Rente
zufiele. Andererseits geht nun aber auch das Nettoproduct als
Naturalgegenstand in die Circulation und wird auf diese Weise
ein Element, durch welches die als steril bezeichnete Classe,
d. h. die technisch industrielle und die blos consumirende Be
völkerung, zu unterhalten und zu ihren Leistungen in den
Stand zu setzen ist. Hier kann man sofort die Verwirrung
bemerken, welche dadurch entsteht, dass in dem einen Fall der
Geldwerth, in dem andern die Sache selbst den Gedankengang
bestimmt. Quesnay will eine doppelte Ansetzung des volks-
wirthschaftlichen Ertrags vermeiden, und da er sich denselben
als den Gesammtwerth aller Bodenerzeugnisse gedacht hat, so
kann er eine Vermehrung desselben nirgend zulassen. Der
Gewerbetreibende ertheilt daher nach dieser Ansicht seinen Er
zeugnissen nur soviel Werth, als er von jenem Nettoproduct