Full text : Über die Bedingungen der industriellen Entwicklung Russlands

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Rubel  ab.  »Der  Finanzminister  hält  es  für  seine  Pflicht,  zu  betonen,« ­
  —  schrieb  Bunge  in  seinem  alleruntertänigsten  Bericht  —,
»daß  die  Regulierung  der  Verhältnisse  zwischen  den  Einnahmen
und  Ausgaben  vermittels  Erhöhung  der  früheren  oder  Einführung
von  neuen  Steuern  momentan  nicht  zeitgemäß  wäre.«
Am  i.  Januar  1887,  sofort  nach  Veröffentlichung  dieses  Finanzanschlages, ­
  wurde  N.  Ch.  Bunge  entlassen.  An  seine  Stelle  wurde
I.  A.  Wyschnegradsky  berufen,  der  eine  unermüdliche  Energie  in
bezug  auf  Einführung  von  neuen  Steuern  und  Erhöhung  der  alten
an  den  Tag  legte.  Die  Hungersnot  von  1891  machte  aber  auch
ihn  vernünftiger.  Der  Etatentwurf  auf  das  Jahr  1892  schloß  mit
einem  Defizit  von  25  Millionen  Rubel.  In  seinem  alleruntertänigsten ­
  Begleitschreiben  erlaubte  sich  Wyschnegradsky  folgendes  zu  bemerken: ­
  »Auf  den  ersten  Blick  könnte  es  als  natürlich  erscheinen,
neue  Einnahmequellen  zur  Deckung  des  sich  ergebenden  Defizits
ausfindig  zu  machen;  allein  diese  neuen  Quellen,  mögen  sie  nun
in  beliebiger  Form  erscheinen,  führen  eigentlich  am  Schlüsse  nur
zur  Einführung  von  neuen  und  Erhöhung  der  alten  Steuerabgaben.
Da  die  Mißernte  nicht  nur  die  Getreideproduzenten  ruiniert  habe,
sondern  alle  Seiten  des  ökonomischen  Lebens  arg  ergriff,  so  wäre
es  momentan  äußerst  gefährlich,  zu  diesen  Mitteln  zu  greifen.«  Im
gleichen  Jahre  wurde  Wyschnegradsky  entlassen  und  durch  S.  J.  Witte
ersetzt.
Der  neue  Minister  vergrößerte  ohne  Schwanken  die  Steuerlast. ­
  Aber  am  Ende  hat  auch  Witte  nicht  ausgehalten.  In  der
Sitzung  der  Generalversammlung  des  Reichsrates  vom  30.  Dezember ­
  1902  erklärte  er,  daß  die  gegenwärtige  direkte  und  indirekte ­
  Besteuerung  die  Grenze  ihrer  Spannfähigkeit  erreicht  hat;
eine  weitere  Politik  in  diesem  Sinne  wäre  unproduktiv,  ja  beim
gegebenen  ökonomischen  Zustand  des  Landes  überhaupt  unzulässig.
Die  Aufgabe  einer  vernünftigen  Finanzpolitik  wäre  die  Ausfindigmachung ­
  von  Mitteln  zur  allmählichen  Minderung  der  Steuerlast 1 ).
Der  Reichsrat  pflichtete  dieser  Meinung  Wittes  bei:  »Die  Zahlungsfähigkeit ­
  der  Bevölkerung  hat,«  meinte  der  Reichsrat,  »auch  seine
Grenzen,  die  man  nicht  überschreiten  darf,  wenn  man  den  ökonomischen ­
  Wohlstand  des  Landes  nicht  gefährden  will.  Dieser
Wohlstand  ist  die  Grundlage  des  finanziellen  Gleichgewichts  des
Staates,  seiner  inneren  Kraft  und  internationalen  politischen  Macht.
’)  Witte  und  der  Reichsrat  über  Rußlands  finanzielle  Lage.  Stuttgart
1903,  S.  6  (russisch;  es  existiert  auch  eine  deutsche  Ausgabe).
            
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