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äußert sich nicht nur in der Größe der Steuern, sondern auch im
Charakter der Besteuerung in der Vorherrschaft der einen oder
anderen Form der Steuererhebung.
Im russischen Budget spielen die indirekten Steuern und Zölle
eine dominierende Rolle.
So betrugen im Jahre 1909:
Direkte Steuern ....... 205,3 Milk Rubel 12,7 °/o
Indirekte Steuern und Zölle . . 1205,9 » * 74,4 11
Domänen und Staatsbetriebe . . 208,8 » » 12,9 »
Somit werden 3 / 4 des Budgets in Form von indirekten Steuern
erhoben, die hauptsächlich die arbeitenden Klassen belasten *). In
den Reichsetatentwürfen und in den Berichten bezüglich ihrer
Durchführung wird diese Tatsache immer vertuscht, und zwar durch
die Aufnahme in das Budget der Exploitationsausgaben sowie der
umlaufenden Einnahmen, die im Jahre 1909 eine angesehene Summe
von 900 Millionen Rubel erreicht haben.
Da seit dem Jahre 1909 der Finanzminister bei der Berech
nung der indirekten Größe der einzelnen Posten des Ausgabe
budgets die Betriebsausgaben der Reichsbetriebe sowie einiger
anderen umlaufenden Ausgaben nicht mehr berücksichtigt, so ist
es jetzt um so weniger angebracht, die umlaufenden Eingänge im
Einnahmebudget beizubehalten. Im Etatentwurf für das Jahr 1909
finden wir zwei Berechnungen des Ausgabebudgets:
Schuldentilgung und
Gesamtetat
Der Reinetat
Zinsen ....
396,7 Mill. Rub. odei
-16 °|o
396 Mill. Rub. oder
23,7%
Heer und Flotte
536,4 »
21,7 »
536
32,0 »
Reichsbetriebe . .
784,1 » » »
31,7»
» » »
»
Verwaltung und an-
dere Ausgaben .
755,o »
30,6 »
742,2 » » »
44,3 »
Zusammen
2472,2 Mill. Rub.
i 675, 3 Mill. Rub.
') Gerade dieses Vorherrschen der indirekten Steuern in unserem Budget
ermöglichte die Tatsache, wonach die Reichssteuern nicht entsprechend der
Entwicklung der Produktivkräfte des Reiches wuchsen, sondern entsprechend
der Zunahme der Tauschwirtschaft, die sich auf Kosten der Naturalwirtschaft
vollzog. Alle Produkte des Massenkonsums sind bei uns mit Steuern belegt.
Wollte der Bauer Kaufprodukte konsumieren (statt Kienspan Petroleum, statt
Leinwand Baumwolle gebrauchen), geriet er sofort in die Steuermaschine.
Der Zuwachs von Staatssteuern kann daher auch bei einer Stagnation der
Produktivkräfte stattfinden, und zwar infolge der ununterbrochenen Ver
drängung der Natural- durch die Tauschwirtschaft.