Full text : Deutschlands chemische Industrie

Chemo-  Aber  auch  hiermit  waren  die  Mittel  zur  Bekämpfung
therapie  dieser  unsichtbaren  Feinde  noch  nicht  erschöpft.  Während ­
  bei  dem  Behringschen  Heilserum  das  von  tierischen ­
  Organismen  gebildete  Antitoxin  als  Gegengift
gegen  das  durch  die  Infektion  erzeugte  Toxin  die
wesentliche  Rolle  spielt,  ist  es  die  Aufgabe  der  von
Paul  Ehrlich  in  Frankfurt  a.  M.  inaugurierten  Chemotherapie, ­
  durch  spezifisch  wirkende  chemische  Mittel
die  Krankheitserreger  direkt  zu  treffen.
In  mühevoller  Arbeit,  in  der  Ehrlich  Hunderte  von
Präparaten  einer  systematischen  physiologischen  Prüfung ­
  unterwarf,  fand  er  in  dem  Diaminodioxyarsenobenzol
  oder  Salvarsan  das  zur  erfolgreichen  Bekämpfung
der  Syphilis  geeignete  Mittel.  Auch  bei  anderen  Infektionskrankheiten, ­
  bei  Spirillose,  Framboesie,  Typhus  recurrens, ­
  Malaria,  Scharlach,  und  bei  einigen  Tierkrankheiten ­
  scheint  sich  das  neue  Mittel  zu  bewähren.  Aber
wir  befinden  uns  hier  erst  am  Anfänge  einer  neuen  Zeit,
und  noch  viele  heimtückische  Krankheiten,  unter  denen
die  Tuberkulose  an  erster  Stelle  steht,  harren  der  Vernichtung ­
  ihrer  unsichtbaren  Erreger.
Künstliche  Es  gibt  indessen  noch  andere  Gebiete,  auf  denen
Riechstoffe  dj e  synthetische  Chemie  dem  Menschen  Wohltaten  erwiesen ­
  hat.  Für  die  Synthese  der  Riechstoffe  sind  die
Untersuchungen  von  F.  Tiemann  im  Hofmannschen
Laboratorium  grundlegend  gewesen.  1874  war  es  ihm
gelungen,  das  wirksame  Prinzip  der  Vanille  aus  dem
Cambialsafte  der  Coniferen  zu  isolieren  und  bald  darauf
das  Vanillin  aus  einem  Bestandteil  des  Steinkohlenteers
darzustellen.  Im  Heliotropin  fand  er  den  kostbaren  Duft
des  Heliotrops,  im  Cumarin  den  Duft  des  Maikrautes,
und  im  Ionon  und  Iron  die  herrlichen  Düfte  der  Veilchengruppe. ­
  Man  fand  im  Zimmtaldehyd  das  künstliche
            
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