24. Titel: Ungerechtfertigte Bereicherung. SS 817, 818. 1571
Sitten verftoßen hat, muß der die Herausgabe verlangende Kläger beweifen; der Nach-
mei8, daß dem Leiftenden ein gleicher VBerftoß zur Laft fällt, obliegt dem Beklagten (vgl.
Srome S. 1008 ff., Pland Bent. 6, ROR.- Komm. Bem. 6).
5. Ueber den Umfang des Herausgabeanfprudhs im Zalle des $ 817 1. 8 819
Xof. 2 und Bem. 1, b zu 8 819.
6. Verhältnis des $ 817 zu den S$ 134, 138, 812 und 814.
Die allgemeinen Borichriften der SS 134, 138 über die Nichtigkeit der gegen ein
zefebliches Verbot oder gegen die guten Sitten verftoßenden Rechtsgejhäfte werden durch
8 817 nicht berührt. Iit das Leiftungsgefhäft nach S 134 oder & 138 nichtig, fo fteht
dem Leiftenden, neben der Vindikation (S 985) auch die Condiktion nah Waßgabe des
8 812 (condictio sine causa), foweit {ie nicht durch S 814 ausgefchloffen ift, zu (über
den Sal der Gültigkeit des Veiftungsgefhäfts bei Nichtigkeit der causa und den in
diefer Nichtung bedeutfamen Unterfchied zwilchen kaufalen und abftrakten Rechtagefchäften
|. Bem. I, 4, b, 8 zu 8 812). Regelmäßig wird in folgen Fällen auch der Tatbeftand
des 8 817 Sa 1 gegeben fein. Hit dies der Fall, fo kann (abgefehen von dem
VBindikationsanfpruch ‚des S 985) Herausgabe der Bereicherung entweder mit der
condietio sine causa ($ 812) oder mit condictio ob turpem causam ($ 817 Saß 1)
verlangt werden (vgl. Urt, d. Rammerger, vom 8. Oktober 1909 Mipr. d, “LG. Bd. 20
S. 247 {f.), Ob der Kläger feinen Unipruch in der einen oder anderen Weife begründet,
ift feinem Ermefien überlaffen die Rückforderung auf Grund des S 817 kann insde-
Jondere_im Hinblick auf S 819 Abf. 2 für den Kläger vorteilhafter fein); nur der auf
8 817 Sat 1 geftüßten Alage aber ann mit dem Einwande begegnet werden, daß auch
dem Kläger ein Verftoß gegen Gefeß oder Moral zur Laft falle (f. oben Bem, 2, d, d).
_ -GSelbfitändige Bedeutung hat $ 817 für die Fälle, in denen die Rück
Torderung auf rund des $ 812 durch S 814 ausSgefchloffen Hit, fomwie für die Fälle, in
denen tiroß VBorhandenfeins der Vorausfeßungen desS 8 817 Sag 1 Nichtigkeit de8 NechtS=
zeichäfts na Maßgabe der SS 134 oder 138 nicht vorliegt und daher der Heransgaber
anfpruch auf S 812 nicht geltüßt werden kann GinfichtliH der verfchiedenen AUnfichten
über diefe Frage val, die in Bd. I S. 483 Bem. II, 4, e erwähnte Literatur und Praxis,
Vertmann Bent, 4, land Bem, 1 und 2 und in D. Jur.3. 1902 S, 105 ff., Jakob! in
Shering8 Jahrb. Bd. 41 S. 93 Note 46, Dernbura 8 379, II, Crome S 322, Mayr
S. 5583 ff, Erlanger a. a. OD. S. 56 f., Förfter und Philipp a. a. DO. fowie das vben in
Bem. 2, d, y erwähnte Urteil des DOLS. Bamberg).
. Neber die Frage, ob da8 dinglihe (abftrakte) ErfüllungsSgefhäft
durch die Nichtigkeit des (obligatorifdhen) Kaufalgefhäfts berührt
wird, f. Bd. I S, 351, 482 und die dort erwähnte Literatur und Wraxis fowie Urt,
d. Reichsger. vom 9. Februar 1907 Recht 1907 S. 374, vom 5. Februar 1908 ROT.
Bd. 68 S. 100 ff. und vom 19, Oktober 1909 Iur, Wichr, 1909 S. 715 ff., Urt. d. DLG.
Dresden vom 16. Mat 1904 Jäch). Arch. Bd. 15 S, 104 f. Aus S 817 fOließt das
Reichsgericht (Urt. vom 21, April 1906 RNGES. Bd. 63 S. 185), daß das abfirakte Er=
üllung83gefhäft, auch wenn ihın eine Unfittlidhkeit anhaftet, niemals nichtig ift;
bagegen mit Necht Mathießen a. a. D. Sat 188
7. 83 des Wuchergefekes vom TO ent TE ift durch €®. Art, 47 aufgehoben
morden (vbal. Bd. VI zu E®. Art. 47).
8, Erfüllt die Annahme einer Leiftung den Tatbeftand einer unerlaubten Hand-
(ung, fo ift der Empfänger nach Maßgabe der 88 823 ff. Ihadenserfaßpflichtig.
| 9. Die Vorfchriften der SS 817 und 138 finden auch auf Abzahlungsgefhäfte
Anwendung, weil gemäß E®. Art. 32 im Ginblid auf den Hrohibitiven Charakter jener
Borfchriften die Beftimmung des $ 1 des Gef. vom 16. Mat 1894 betr. die Abzahlungs-
zefchbäfte unanmendbar ift, wenn gemäß 88 138, 817 Saß 2 die Rückforderung der Leiftung
ausSaefchlofien it (Urt. bd. Meichager. dont 29. Mat 1906 ROE, Bd. 63 S. 349 FF).
; $ 818,*)
Die Verpflichtung zur Herausgabe erftreckt fichH auf die gezogenen Nugungen
jowie auf dasjenige, was der Empfänger auf Orund eines erlangten Rechtes oder
ıl8 Srjaß für die BZerftörung, Befchädigung oder Entziehung des erlanaten
Segenftandes erwirbt.
a Val. Stieve (Note * zu Ziff. 5 der Borbem.); v. Tuhr (Note * zur Borbem.)
S, 303 f.;: Mayr S. 589 FF; Sturm &S. 110 ff.
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