L “77
VII AbiOnitt: Einzelne Schuldverhältnufje.
peben, fondern unentgeltlich behalten wolle; ein folches Verhalten tet
araliftig, verftoße gegen die Orundläße von Treu und Glauben und
gegen alles Anftands= und Rechtagefühl; e8& könne daber durch die
Rechtsordnung nicht gefchüßt werden. Die Einrede der Arglift gelte
auch gegenüber Anfprüchen au8 ungerechtfertigter Bereicherung; „denn
Treu und Ölauben und gute Sitte beherrichen den gefamten Necht8-
verfehr und kommen überall zur Geltung, wo mit Sicherheit anzu
nehmen ift, daß der GefeBgeber Ddiefe Orundfäße angewendet wihien
mil, um einem damit in Widerfpruch {tehenden Gebaren feinen Schuß
zu verjagen“.
Salt nur dem Seiftenden, nidht aber dem Empfänger der
Beritoß gegen ein nefeblidhes Verbot oder gegen bie guten Sitten
zur alt, fo ift ein Gerausgabeanfpruch nach S& 817 Sag 1 überhaupt
nicht begründet (gl. € 18 743 Nr. 1, M. II, 844, ZOG. II, 429, VI,
526, Hachenburg S. 60, Urt. d. RMeihsger. vom 19. Februar 1908
D. IJur.8. 1908 S, 593), Selbfiverftändlich kann und wird Häufig
in einem Tolchen Zalle das Leifiungsgefchäft gemäß S 134 oder S 138
nichtig und daher an fich der Mückfkforderungsanipruch nach 8 812 (val.
Bem. I, 4, b, 8 hiezu) begründet fein. AZweifelhaft und beftritten aber
it, ob auch diefem Anfpruche mit der Sinrede au3 $ 817 Saß 2
begegnet, d. h. geltend gemacht werden kann, daß der Leiftende durch
die Leiftung nach deren Zweckbeftimmung gegen ein gefeßlidhe8 Vers
bot oder gegen bie guten Sitten verftoßen habe. Da S 817 Sag 2,
wie nad der Stellung und dem Wortlaute („gleichfalls“) der Bor-
fhrift nicht bezweifelt werden kann, jih XIediglich auf die Zälle des
8817 Sag 1 bezieht, daher nur demjenigen entgegenfteht, der Jein Rücd-
TorderungSrecht auf die verwerfliche Gefinuung des Empfängers {tügt,
ein allgemeiner Sag des Inhalts aber, daß eine gejeß= oder fitten-
widrige Seiftung: nicht zurücgefordert werden könne, dem BOB.
jremb ift, muß die Hrage verneint werden. Demagemäß kann insg:
beiondere auch der Wucdherer das von ihm Geleiltete gemäß SS 138
Uof. 2, 812 (fallS ihın nicht die Vorfchrift des S& 814 entgegeniteht)
zurücgaforbern (vgl. Bd. I S. 483 BYem. IL, 4, d zu 8 188; ebenfd
Soldmann-Lilienthal S. 873 Anm. 7, EcciuS a. a. O., Cohn a. a. D.
[mit abweichender Begründung und entaegen feiner früher in Oruchot,
Beitr. Bd. 41 S. 792 {f. vertretenen Anficht], Oraff a. a. OD. und nun-
mehr au Yland Bem. 4; f. auch Neumann Note 1, Eichler a. a. D.
und Dertmann Bent, 6, a, der jedoch die Rückforderung nur zulafien
will, foweit der Wucherer solvendi causa geleiftet hat; and. Un-
ihauung Neubecfer a. a. O., Urt. d. MeichSger. vom 29. Mai 1906,
vom 22. November 1907, vom 21. September 1908 und 23. Mai 1910,
OS. Bd. 63 S. 353 ff, Necht 1908 S. 54, ROES. Bd. 70 S. 4,
Warneyer Erg. Bd. 1910 Nr. 286, Urt. d. DL®. Dresden vom
2, Oktober 1902 Seuff. Arch. Bd. 59 Nr. 81).
Die Vorfchrift des $ 817 Sag 2 bezieht fidh nur auf Leiftungen, bie
unmittelbar auf Orund des Vertrags gewährt werden, nicht auf
Leiftungen, die (mie die Beftellung eine8 Pfandes für eine aus dem
Vertrag entfpringende Forderung) als foldhe einem erlaubten Zwede
dienen; der einer foldhen Leitung zugrunde liegende Nebenvertrag if
nur wegen Nichtigkeit des Hauptvertrags, allo nach Maßgabe des
8 812, hinfällig. 9118 Leiftung im Sinne des 8 817 Sag 2 {ft ferner
nur die Gewährung eines VBermögensvorteilsS anzufehen, der end-
gültig in bas Vermögen des Empfänger8 übergehen Joll, nicht eines
Jolchen, der (wie 3. B. eine Sicherheit) fhon feiner NMatur nach
zurücdgewährt werden muß (Urt. d. Neichäger. vom 14. Januar 1908
ROT, Bd. 67 S. 321 ff.)
Ueber da8 Verhältnis des $ 817 Sag 2 zu 8 816 f. Urt. d.
NeichSger. vom 28. Juni 1910 Iur. Wichr. 1910 S, 810.
” 3. Da 8817 nicht vorausfebt, daß dem Empfänger oder dem Leiftenden der Ber-
itoß gegen. Gejeß oder Moral zum Bewußtfein gekommen iit (f. oben Bem. 2, b, y und
d, «), dürfte Für eine entfpredjende Anwendung der Borfchriften Der SS 827 ff. fein
Kaum fein (and. Anf. Neumann Note 2).
4. Beiveisiajt. Dak die Leitung erfolgt ift und daß nach deren Zwedbeftimmung
der Empfänger durch die Annahme gegen ein gefebliches Verbot oder genen die auten
}