Full text: Rapport sur l'organisation de l'enseignement industriel en Allemagne et en Suisse

ALLGEMEINE VERHÄLTNISSE. — Sterblichkeitslisten. 489 
nach dem Durchschnitte der Jahre die Geburtiziffer die SterblichkeiUaiflfer 
in England (1845 — 54) .... :i0,06 43,79 
- Norwegen (1846 —55) . . . . 30,35 51,77 
- Dänemark (1845 — 54), . . . 3u,83 45,00 
- Hannover (1846 — 55) . . . . 31,36 40,09 
- Schweden (1841—50). . . . 31,38 46,67 
- Belgien (1847 —56) 32,83 40,08 
- Frankreich (1844 — 53) . . . 35,82 41,73 
Bei Bestimmung dieser Verhältnisse sind die Todtgebornen sowol zu den 
Gehörnen, wie zu den Gestorbenen gerechnet worden, mit Ausnahme von 
England, wo die Todtgebornen nicht registrirt zu werden pflegen. Das Ver- 
hältniss sämmtlicher Gehörnen zur Bevölkerung schwankt in obigen Ländern 
zwischen 1 :24,82 und 1 :35,82, das Verhältnis sämmtlicher Gestorbenen zur 
Bevölkerung zwischen 1:30,31 und 1:51,77. Ein allgemeiner Durchschnitt 
aus obigen Ländern ergibt ein Mittelverhältniss der Gebomen zu den Leben 
den oder eine mittlere Fruchtbarkeit von 1 :29,53 und ein Mittelverhältniss 
der Sterblichkeit von 1 :36,21. 
Ein hohes Geburtsverhältniss ist in der Regel die Folge häufiger 
Ehebündnisse im Lande und diese werden wiederum bedingt durch die Leich 
tigkeit des Erwerbs der zur Begründung eines Hausstandes erforderlichen 
Subsistenzmittel. M o Unterhalt leicht zu gewinnen, Arbeitskräfte leicht und 
vortheilhaft zu verwerthen sind, da sind auch die Bedingungen zunehmenden 
M'ohlstandes vorhanden. Beruht hierin, wie gewöhnlich, die grössere Frucht 
barkeit einer Bevölkerung, so ist sie ein erfreuliches Zeichen materiellen 
Wohlbefindens. Zuweilen ist sie freilich auch das Product des Leichtsinnes 
in der Schliessung der Ehebündnisse bei ungenügendem oder unsicherem Er 
werbe und der Häufigkeit ausserehelichen Umgangs. *) Es zeigt sich dies 
nicht selten in Gegenden mit vorwaltend industrieller Beschäftigung, die bei 
günstigen Conjuncturen reichen Lohn gewährt, bei ungünstigen grossen 
Mangel erzeugt. Die nach solchem Mangel oft plötzlich eintretende Leichtig 
keit reichlichen Erwerbs verführt, wie zu manchem anderen Leichtsinne, so 
auch oft zu unbedachtsamen Ehebündnissen, und es ist daher eine oft ge 
machte )Vahrnehmung, dass bei industriellen Bevölkerungen das Geburts- 
verhältniss ein höheres als bei ackerbauenden ist. Doch kann dies nicht 
als Regel aufgestellt werden und es kommen auch viele Fälle vom Gegen- 
theile vor. So erreichte in den drei östlichen Provinzen des preussischen 
Staates (Ostpreussen, Wcstpreussen und Posen), wo die Beschäftigung, von 
den wenigen Seestädten abgesehen, fast ausschliesslich eine ackerbautrei 
bende ist, das Geburtsverhältniss während der ersten Jahre nach Herstellung 
des Friedens (1816 — 29) die enorme Höhe von 1 :18,57, dasselbe sank zwar 
hierauf während der Periode von 1821 —1830 etwas herab, jedoch nur wenig, 
indem es sich auf 21,83 minderte und beträgt noch jetzt daselbst zwischen 
22 und 23. Der Aufschwung, den in jener Periode Preussen nahm, hatte auf 
die dortige Bodencultur einen vortneilhaften Einfluss und erleichterte in 
hohem Grade die Gründung ländlicher Haushaltungen auf dem damals noch 
schwach bevölkerten Terrain. Und dieser Einfluss dauert auch jetzt noch fort; 
er ist der hauptsächlichste Grund des starken Geburtsverhältnisses in jenen 
Provinzen. 
Engel hat in seinen gründlichen Untersuchungen über die Populations 
verhältnisse im Königreiche Sachsen nachzuweisen gesucht, dass dasGeburts- 
•) Bei den Geburten unterscheidet die Statistik zwischen ehelichen 
und unehelichen, — vernünftiger M eise nicht sowol um damit das Maas 
der Sittlichkeit oder Unsittlichkeit der Bevölkerung zu bezeichnen (denn die 
Masse der unehelichen Geburten ist gewöhnlich das Ergebniss fehlerhafter 
socialer Zustände, namentlich einer Erschwerung der Ansässigmachung und 
Verehelichung, z. B. in Folge der Heimathsrechts-, Zunft- und Militärverhält 
nisse), als vielmehr wegen der im Allgemeinen viel übleren Erziehungsbedingun 
gen und der furchtbar gesteigerten Sterblichkeit der unehelichen Kinder. Kolb.
	        
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