488 ALLGEMEINE VERHÄLTNISSE. - Sterblichkeitslisten.
schnittsalter der Gestorbenen « den auszudrückenden Begriff sehr prägnant,
man hat daher nicht nöthig, einen andern Ausdruck dafür zu substituiren.
Am wenigsten würde mittlere Lebensdauer der geeignete Ausdruck sein, da,
wie gleich nachgewiesen werden wird, das Durchschnittsalter der Gestorbenen
einer Bevölkerung die für den Neugebornen im Durchschnitte sich berechnende
mittlere Lebensdauer nicht ausdrückt.
Gehurtsziffer tend Sterblichkeitsziffer. Die Geburtsziffer drückt das Verhältniss
der jährlich in einem Lande Geborenen zur Zahl der Bevölkerung,
die Sterblichkeitsziffer das Verhältniss der jährlich Gestorbenen zur Bevölkerung
aus. Beide Verhältnisse pflegt man in der Weise zu bestimmen,
dass man angibt, wie viel Lebende auf einen Geburts- und wie viel Lebende
auf einen Sterbfall kommen. Die gesuchten Ziffern werden daher gefunden,
wenn man die jeweilige Bevölkerungszahl mit der Zahl der jährlichen Geburtsund
mit der Zahl der jährlichen Todesfälle dividirt. Kommen unter einer Bevölkerung
mit 1 Million Seelen jährlich 40,000 Geburts- und 30,000 Sterbfälle vor,
so ist die Geburtsziffer und die Sterblichkeitsziffer = 33 %.
Nach dieser Ausdrucksweise ist also das Verhältniss der Geburts- und Sterbfälle
zur Bevölkerung um so grösser, je kleiner die Geburts- und Sterblichkeitsziffer
ist, und ebenso umgekehrt. Wie viel Geburts- und Sterbfälle
in einern Lande während des Jahres Vorkommen, ist unschwer festzustellen.
Diese Feststellung erfolgt jetzt fast in allen civilisirten Staaten. Allein der
andere Theil der Rechnung, die Zahl der Lebenden, unter denen die Geburtsund
Sterbfälle eintreten, unterliegt ununterbrochenen Schwankungen und ist
für jeden Tag im Laufe des Jahres ein anderer. Es fragt sich daher, welche
Zahl der Lebenden aus dem Laufe des Jahres soll der Rechnung zu Grunde
gelegt werden ? Um die richtige Mittelzahl zu finden, bedarf es nicht nur
einer genauen Feststellung der Bevölkerungszahl am Anfänge des Jahres und
der darin im Laufe des Jahres vorgehenden Veränderungen , sondern auch
eines auf diese Data gegründeten umständlichen mathematischen Verfahrens.
In dieser genauen Weise hat noch nirgends die Berechnung der Geburts- und
Sterblichkeitsziffer stattgefunden. Als Zahl der Lebenden wird gewöhnlich
das Resultat der an irgend einem Termine im Laufe des Jahres vorgenommenen
Volkszählung angenommen, und wo, wie in den meisten T.ändern, nicht
jährlich gezählt wird, sucht man die Zahl der Lebenden für das betreffende
Jahr nach den beiden zunächst liegenden Zählungen und den Differenzen zwischen
den Geburts- und Sterb-, sowie zwischen den Ein- und Auswanderungsfällen
während der Zwischenperiode annähernd zu bestimmen. Auf mathematische
Genauigkeit hat dieses Verfahren zwar keinen Anspruch, doch ist bei
Bevölkerungen, deren Bestand nicht sehr grossen Schwankungen unterliegt,
der Fehler nur ein kleiner.
Nach den neueren derartigen Erhebungen*' waren
nach dem Durchschnitte der Jahre die Geburtsziffer die Sterblichkeitsziffer
in Sachsen (1S47 — 50) .... 24,S2 34,12
- Württemberg (1S43 — 52) . . 24,S5 31 00
- Preussen (1844 — 53) .... 25,47 33.’>'5
- Oesterreich (1842 — 51) . . . 25,80 20 72
- Sardinien (1828 — 37) .... 27,52 33,34
- Bayern (1842 —51) 28,33 34,05
- Holland (1845 — 54) .... 29,02 30,25
*) Wappaeus, Allgem. Bevölkerungsstatistik, I. Theil, S. 150 und 100.
(Bei dieser Gelegenheit wollen wir nicht ermangeln, auf das genannte vorzügliche
Werk überhaupt hinzuweisen. Bedarf dasselbe auch in wissenschaftlichen
Kreisen längst keiner besonderen Empfehlung mehr, so wäre ihm
doch eine viel allgemeinere Verbreitung zu wünschen. — Viele Geburtsund
Sterblichkeitsziffern aus neueren Jahren finden sich übrigens in unserm
Buche bei den BevölkerungsVerhältnissen der einzelnen Staaten angegeben.
Kolb.\