Full text : Methodische Einführung in die allgemeine Wirtschaftsgeographie

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III.  Abschnitt.

In  einer  anderen  Beziehung  ist  dagegen  auch  der  Postverkehr
rein  geographisch  zu  erfassen,  da  nämlich,  wo  es  sich  um  die  Größe
des  den  einzelnen  Postanstalten  zugewiesenen  Versorgungsgebietes
handelt.  Hier  spielt  in  der  Tat  der  Raum  eine  sehr  wesentliche  Rolle,
und  hier  ist  die  Natur  des  Landes  und  die  Art  der  Besiedelung,  also
die  zwei  Elemente  der  Landeskunde,  wieder  maßgebend  für  den  Stand
des  postalischen  Wesens.  Hier  ergeben  sich  ähnliche  Bilder  der
räumlichen  Einflüsse  auf  das  Wirtschaftsleben  des  Menschen,  wie  wir
sie  in  dem  Vergleich  heimischer  Eisenbahnen  mit  solchen  fremder,
namentlich  außereuropäischer  Länder  kennen  lernen.
Beispiel:  So  beträgt  die  auf  jedes  einzelne  Postamt  bzw.  auf  jede  Postanstalt
entfallende  Versorgungsfläche  in  dem  vorwiegend  städtisch  besiedelten  Großbritannien
rund  13  qkm,  in  dem  gemischt  besiedelten  Deutschland  etwa  10,7  qkm.  Hier  tritt
der  Einfluß  der  Siedelungsart  recht  deutlich  zutage,  denn  der  Vergleich  beider
gleich  hoch  kultivierten  Länder  zeigt,  wie  das  Bedürfnis  nach  Postanstalten  sich
mit  der  stärkeren  Zusammendrängung  in  größeren  Ortschaften  verringert.  Andererseits ­
  zeigt  der  Vergleich  beider  Gebiete  mit  außereuropäischen  Ländern,  mit  welchen
Schwierigkeiten  die  Versorgung  eines  fremden,  der  europäischen  Kultur  erst  sich
erschließenden  Landes  für  die  Post  schon  aus  rein  räumlichen  Gründen  verbunden
ist.  Zählt  doch  selbst  ein  an  Bildung  und  Kultur  für  außereuropäische  Verhältnisse
keineswegs  rückständiges,  noch  dazu  dicht  bevölkertes  Land  wie  das  britische  Indien
erst  auf  rund  234  qkm  eine  Postanstalt.  Ganz  anders  noch  afrikanische  und  andere
Gebiete  jüngster  Kultur,  wo  wir  selbst  in  dem  bereits  stärker  mit  Weißen  besiedelten
Schutzgebiete  von  Deutsch-Südwestafrika  im  Jahre  1912  weit  mehr  als  12200  qkm,
also  etwa  so  viel  wie  die  Fläche  von  ganz  Thüringen  einschließlich  des  Erfurter
Gebiets,  als  Versorgungsfläche  jeder  einzelnen  Postanstalt  feststellen  müssen,  während
die  entsprechende  Größe  in  Deutsch-Ostafrika  sogar  mehr  als  21  600  qkm,  erheblich
mehr  als  die  Fläche  des  Königreichs  Württemberg,  beträgt.
Schließlich  kann  man  sich  zur  Beurteilung  des  Postverkehrs  auch
eines  ähnlichen  Maßstabes  bedienen,  wie  ihn  der  namentlich  auf  Landund
  Schiffsverkehr  Anwendung  findende  der  Isochronen  darstellt.  Die
Dauer  der  postalischen  Benachrichtigung  zwischen  zwei  Punkten  bildet
in  einer  so  sehr  auf  das  Geschäftsleben  angewiesenen  Periode  eine
Frage  von  keineswegs  untergeordneter  Wichtigkeit.

§  11.  Der  Lokalverkehr.
Der  Lokalverkehr  bildet  eigentlich  kein  Gebiet  der  geographischen
Untersuchung.  Denn  zur  Not  kann  man  ihn  sich  überall  da  ausgeschaltet ­
  oder  auf  ein  Minimum  des  tatsächlich  bestehenden  Verkehrs
beschränkt  denken,  wo  die  Entfernungen  zwischen  zwei  Punkten
lediglich  der  Zeitersparnis  oder  der  Bequemlichkeit  halber  in  Gefährten ­
  verschiedener  Art  zurückgelegt  werden.  Auch  wird  in  der
Einheitssiedelung,  d.  h.  der  einzelnen  Stadtgemeinde,  in  vielen  Fällen
die  Bodengestalt  innerhalb  des  bebauten  Geländes  ohne  besonderen
Einfluß  auf  den  innerstädtischen  Verkehr  sein.  Ausnahmen,  die  auch
hier  nicht  ganz  so  selten  sind,  können  freilich  das  Bild  des  großen  Verkehrs ­
  und  seiner  Bedürfnisse  in  verkleinertem  Maßstabe  widerspiegeln.
Wo  eine  bergige  Landschaft  sehr  starke  Abweichungen  von  der
geraden  Linie  zwischen  zwei  Stadtteilen  nötig  macht,  wie  wir  dies  in
Jena  oder  in  Freiburg  i.  B.  beobachten  können,  oder  wo  die  Lage  im
engen  Tale  die  zunehmende  Siedelung  einseitig  in  die  Länge  wachsen
läßt,  wie  in  Heidelberg,  kann  selbst  in  mittelgroßen  Städten  schon
frühe  die  Entwicklung  künstlicher  Verkehrsmittel  in  unmittelbarer
Abhängigkeit  vom  topographischen  Bau  ihres  Geländes  verursacht
            
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